Hamburg - "Wir fühlen uns in Sippenhaft genommen", echauffiert sich Klaus Trescher. "Es ist mir völlig unverständlich, wie ein turnusmäßig bewertetes Portefeuille derart schlagartig implodieren kann."
Der Aufsichtsratschef des Immobilienfondsanbieters TMW Pramerica Property Investment hat allen Grund sich aufzuregen. Anfang der Woche musste Pramerica erneut seinen Fonds, den "TMW Immobilien Weltfonds", schließen. "Außergewöhnlich hohe Wertberichtigungen im Portfolio eines Wettbewerbers" hätten institutionelle Anleger dazu veranlasst, massiv Mittel aus dem Fonds abzuziehen, teilte die Gesellschaft mit.
Mangels ausreichender Liquidität sah sich TMW gezwungen, die Ausgangstore des Fonds dichtzumachen. Schon einmal, zwischen Oktober 2008 und Dezember 2009, kamen die Anleger nicht an ihr Geld. Und nun also das Déjà-vu.
Was war passiert? Der "Wettbewerber", dem TMW die Schuld zuweist, und gegen den sich auch die Erregung von TMW-Oberaufseher Trescher richtet, ist der Fondsanbieter Aberdeen. Der hatte unmittelbar zuvor mit der stärksten Abwertung eines Immobilienportfolios geschockt, die die Märkte bislang gesehen haben.
Um fast 14 Prozent verlor der Immobilienbestand des Aberdeen-Fonds "Degi Global Business" schlagartig an Wert. Wegen der Fremdfinanzierung im Fonds ging es mit den Anteilscheinen daraufhin sogar etwa 21 Prozent abwärts.
Nicht nur bei TMW lösten diese Zahlen Verwunderung aus. Auch die Anleger anderer Fonds wurden nervös. An der Zweitmarktbörse in Hamburg etwa gerieten die Kurse mehrerer offener Immobilienfonds schlagartig unter Druck. Viele Fragen drängen sich auf: Was kommt da noch an schlechten Nachrichten? Müssen auch andere Fonds in dem Maße abwerten? Werden weitere Produkte geschlossen? Was genau steckt eigentlich hinter dem massiven Wertverlust bei Aberdeen?
"Wir befinden uns in einer Sondersituation", erläutert Hartmut Leser, Vorstand Aberdeen Asset Management Deutschland, im Gespräch mit manager magazin. "Wir mussten unseren Fonds bereits im November 2009 schließen, weil zu viele Investoren ihre Anteile zurückgeben wollten."
Anschließend, so Leser, habe die routinemäßige Bewertung von drei der 13 im Portfolio befindlichen Objekten erhebliche Wertverluste zutage gefördert. Das Management habe daraufhin - in Abstimmung mit der Finanzaufsicht Bafin - beschlossen, die Bewertung von sieben weiteren Objekten, die im Laufe dieses Jahres ohnehin angestanden hätte, vorzuziehen.
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