Von Arne Gottschalck
mm: Welche Rolle spielt das Gespann Putin und Medwedew für Russland?
Shaftan: Eine große. Es gibt den Mann für innen, das ist Putin. Er ist unglaublich beliebt. Für den Westen gibt es das Gesicht nach außen, Medwedew. Das muss man nicht mögen, aber es schafft Stabilität. Und die ist wiederum für Investoren wichtig.
mm: Das führt uns zu der Frage, wie Sie als Fondsmanagerin die Ankündigungen werten - allein dafür kann man sich noch nichts kaufen.
Shaftan: Es geht um Stabilität. Die ist in Russland gegeben. Und es geht um die richtige Richtung. Und auch die scheint eingeschlagen zu sein. Immerhin dreht sich jedes dritte Gerichtsverfahren derzeit um Korruption. Und die ist eine echte Geißel des Landes. Die Regierung erlaubt den Großkonzernen inzwischen auch Entlassungen. Das war früher nicht denkbar. Jetzt werden teilweise 20.000 Menschen in einem Unternehmen entlassen.
mm: Wenn ich mal etwas wider den Stachel löcken darf - den anderen BRIC-Ländern geht es recht gut, Russland scheint in der Krise zurückgefallen zu sein. Heißt es inzwischen BIC statt BRIC?
Shaftan: Es sah Anfang des Jahres tatsächlich so aus, weil Russland das einzige BRIC-Land war, das von der Klippe rutschte. Wie auch immer, wenn Sie sich die Wachstumsaussichten für die kommenden zwei Jahre anschauen - wenn Russland sich von der Rezession erholt, hat es die besten Gewinnchancen aller BRIC-Länder. Die Krise war auch ein wichtiger Faktor, um die Einstellung der russischen Regierung zu ändern.
Dass nun der Bedarf an westlichem Geld deutlich wurde, hat die PR-Maschine für die Bedürfnisse westlicher Investoren sensibilisiert. Und was wichtiger ist - die Regierung scheint entschlossen zu sein, die Ineffizienz der Wirtschaft anzugehen, und da hilft es, wenn der Ölpreis nicht deutlich über das aktuelle Niveau steigt und die Regierung nicht selbstgefällig wird, sondern das Problem weiter abarbeitet.
mm: Da muss ich nachfragen - der nur mittelmäßig hohe Ölpreis ist gut, weil ...?
Shaftan: Weil er Russland ausreichend mit Geld versorgt, aber nicht die Gefahr besteht, dass man sich zurücklehnt und nur aus den Rohstofferträgen finanziert.
mm: Wie rohstofflastig ist das russische Anlageuniversum eigentlich noch?
Shaftan: Solche Unternehmen sind noch immer dominant, doch es gibt inzwischen eine Reihe anderer Unternehmen, zum Beispiel aus dem Medienbereich oder dem Konsumbereich.
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