Von Arne Gottschalck und Karsten Stumm
mm: In 2010 scheint die deutsche und internationale Wirtschaft in die Erholungsphase einzutreten. Ist die Aktie für Sie in 2010 die bevorzugte Assetklasse - und welche Dax-Entwicklung halten Sie im kommenden Jahr für wahrscheinlich?
Zschaber: Für mich ist klar, dass die derzeitige Erholung an den Aktienmärkten, welche auf einer künstlichen Geldschöpfung, exorbitanten Investitionsprogrammen der Regierungen und einer massiven Konsolidierung der Kostenstruktur auf Unternehmensebene basiert, nachhaltig keine Aufschwungsphantasien erzeugen kann. Erst wenn die Gewinnwachstumspartizipation der Unternehmen wieder durch eigene Investitionen an Dynamik hinzugewinnt und die staatlichen Stützen abgeschafft werden können, gilt nach meinen Erkenntnissen der zyklisierte Aufschwung als intakt.
Insgesamt erwarte ich somit ein recht volatiles Jahr 2010, da nach meiner Überzeugung erst eine Anpassung der Erwartungen an die tatsächliche Konsistenz und Qualität der Konjunktur und der Bilanzen vorhanden sein muss, bevor eine nachhaltig fundamentale Rechtfertigung für eine höhere Gewichtung eines ganzen Aktienmarktes besteht. Daraus erschließt sich meine Antwort, dass ich die Aktienmärkte nur stark eingeschränkt als bevorzugte Asset-Klasse ansehe und nur eine aktive Steuerung der Aktienquoten als interessant erachte.
Darüber hinaus können in volatilen Phasen Short - Positionen ein sehr interessantes Instrument sein, um die Schwankungsintensität positiv auszunutzen. Den Dax sehe zum Ende des Jahres 2010 bei 6000, vielleicht 6100 Punkten, was einer Entwicklung von 250 bis 350 Indexpunkten entsprechen würde.
mm: Welche sind für Anleger aus Ihrer Sicht die interessantesten Branchen sowie Regionen in 2010?
Zschaber: Folgende Themen erachte ich als besonders interessant: Solide ertragskräftige Unternehmen mit niedrigem Verschuldungsrad und hoher Cashflow - orientierten Produktivität und ganz besonders Dividendenstrategien, also Unternehmen mit hoher Dividendenrendite und günstigen Buchwerten.
Diese Kriterien sollten in erster Linie bei Branchen wie Gesundheit, Telekommunikation, Grundstoffe, Pharmazie, Versorger und europäischen Ölunternehmen zu finden sein. Bezüglich dieser Segmentierungen sehe ich sogar die höchste Performancechance, unter Berücksichtigung der Dividende, im gesamten Asset-Segment. Geographisch betrachtet positioniere ich mich aufgrund der hohen industriellen fundamentalen Basis schwerpunktmäßig in Europa und sehr selektiv in Emerging Markets.
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