Von Arne Gottschalck und Karsten Stumm
Hamburg - Ein turbulentes Jahr 2009 neigt sich seinem Ende entgegen. Um 17 Prozent legte allein der deutsche Dax
zu. Sein britisches Pendant, der FTSE 100
, machte es ebenso gut und der französische Aktienleitindex CAC-40
blieb mit einem Plus von etwa 16 Prozent auf Augenhöhe. Wähnen sich die Experten deshalb zurück in der Zauberbörse von 2005, voll der Zuversicht für das neue Jahr?
"Aktien werden trotz moderater Konjunkturaussichten in 2010 zu den Gewinnern am Kapitalmarkt zählen", sagt zum Beispiel Klaus Kaldemorgen, deutscher Aktien-Doyen aus dem Hause DWS, der Fondstochter der Deutschen Bank
"In 2010 dürfte kein Weg an Aktien vorbeiführen", glaubt auch Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater. "Angesichts unseres moderaten Erholungsszenarios der Weltwirtschaft sehen wir gute Chancen für Renditen, die andere Anlageformen übertreffen. Aber es gibt Risiken." Die wirtschaftliche Erholungsphase sei in 2010 eben noch fragil - wie auch eine exklusive Umfrage des manager magazin unter den Firmenlenkern der 80 bedeutendsten hiesigen börsennotierten Aktiengesellschaften (Dax und MDax) widerspiegelt. Die Dax- und MDax-Manager schätzen ihre Geschäftaussichten in 2010 danach zwar besser ein als im laufenden Jahr. Hochfliegende Investitionspläne aber haben sie noch nicht. Im Gegenteil: Die Unternehmen selbst planen mit Vorsicht. Und genau deshalb raten auch die befragten Investmentexperten den Anlegern zur Vorsicht und gut bedachten Geldanlagen in 2010.
"Erst wenn die Gewinnwachstumspartizipation der Unternehmen wieder durch eigene Investitionen an Dynamik hinzugewinnt und die staatlichen Stützen abgeschafft werden können, gilt nach meinen Erkenntnissen der zyklisierte Aufschwung als intakt", sagt beispielsweise der Kölner Vermögensverwalter Markus Zschaber. Seine Warnung: "Man kann die Aktienmärkte in dieser kniffeligen Wirtschaftslage nur eingeschränkt als bevorzugte Asset-Klasse ansehen. Eine aktive Steuerung der Aktienquoten halte ich deshalb für sinnvoll", sagt der Portfoliomanager.
Nahezu einig sind sich die Investmentprofis darin, in welchen Regionen im kommenden Jahr Aktienanlagen womöglich überdurchschnittlich hohe Renditen abwerfen könnten. "Die Schwellenländer bleiben als Region interessant. Insbesondere Asien dürfte im Aufschwungreigen das Zugpferd sein", sagt beispielsweise François-Xavier Aubry, Manager des Axa-Deutschland-Fonds. Das glaubt auch Ingo Mainert, Managing Director Allianz Global Investors. Mehr noch: "Für die Finanzmärkte ist die Verlagerung des weltwirtschaftlichen Gravitationszentrums von Westen nach Osten sogar nicht nur im nächsten Jahr, sondern auch längerfristig ein wichtiges Thema", sagt Mainert.
Unter dem Strich wird 2010 für die meisten befragten Investmentprofis zu einem Hoffnungsjahr. "Angesichts ihrer Bewertung bleiben Aktien interessant, wir erwarten aber nur moderate Kurssteigerungen über das Gesamtjahr, allerdings taktisch nutzbare kurzfristige Trends. Der Dax könnte in Richtung 6100 Punkte zum Jahresende 2010 gehen", fasst Jürgen Callies zusammen, der das Research der Meag leitet, der Investmentsparte der Munich Re
. Ein Hoffnungsjahr eben.
Lesen Sie auf den folgenden Seiten die detaillierten Investmenteinschätzungen prominenter Fondsmanager, Chefvolkswirte und krisenerprobter Vermögensverwalter. Der zweite Teil unseres Investmentausblicks mit Einschätzungen der Investmentprofis zum Goldpreis, der Inflations- und Euro-Kursentwicklung in 2010 erscheint am Montag, 21. Dezember 2009.
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