Von Lutz Reiche
Riester-Vertrag kann zum Minusgeschäft werden
Aber nicht nur der Abschluss, sondern auch die mögliche Kündigung eines Vertrags sollte wohl überlegt sein. Der Kunde muss dann nicht nur die staatlichen Zulagen zurückzahlen, sondern ebenso die gewährten Steuervorteile begleichen. Vor allem bei einer frühen Kündigung kann der Riester-Vertrag durch die zuvor entrichteten Abschlussgebühren und/oder Ausgabeaufschläge schnell zum Minusgeschäft werden. "Junge Verträge leiden enorm unter ihren hohen Kosten", hat Kleinlein festgestellt.
Von einer Kündigung ist insbesondere auch dann abzuraten, wenn sich der Sparer zuvor für eine auf Investmentfonds basierende Variante der Riester-Rente entschieden und die jüngste Börsenbaisse seinem Depot arg zugesetzt hat. Sein Sparguthaben dürfte dann erst recht deutlich unter der Summe seiner eingezahlten Beiträge liegen. Das Problem dabei: Der garantierte Kapitalerhalt gilt erst mit Beginn der Rentenzeit, nicht aber bei vorzeitiger Kündigung. Wer seinen Vertrag dennoch nicht fortsetzen möchte, stellt ihn am besten beitragsfrei.
Vor allem der viel beworbene Kapitalerhalt lässt Mathematiker Kleinlein immer wieder ungläubig staunen. "Die Modalitäten, mit denen das angesammelte Kapital verrentet wird, sind bei fondsbasierten Produkten deutlich schlechter als bei der klassischen Riester-Rente", weiß der Experte aus eigenen Analysen zu berichten. Mit anderen Worten: Bei stark kapitalmarktnahen Produkten, die per se Chancen auf eine höhere Rendite eröffnen, bekomme der Kunde "in der Mehrzahl der Fälle eine erheblich geringere Rente garantiert" als bei der herkömmlichen Riester-Variante. Dies mache fondsbasierte Riester-Renten aus Kleinleins Sicht "ausgesprochen uninteressant".
"Das ist eine echte Blackbox"
Und noch einen Pferdefuß sieht der Experte. Kunden, die eine Versicherungslösung aus Überzeugung ablehnen und sich bewusst für einen Riester-Fondssparplan entscheiden, landen früher oder später doch bei der Assekuranz. Denn ihre Riester-Rente wird lediglich bis zum 85. Lebensjahr aus einem Entnahmeplan bestritten.
Danach muss die Investmentgesellschaft die lebenslange Zahlung über eine Leibrente garantieren. Der Rentner wird also automatisch Kunde einer Lebensversicherung. Und wie dann im Alter die Verrentung genau aussieht, ließen die meisten Verträge für ihre Kunden im Dunkeln. "Das ist bislang eine echte Blackbox. Mir ist jedenfalls kein Riester-Fondssparplan bekannt, der genau regelt, wie die Verrentung ab dem 85. Lebensjahr tatsächlich aussieht", kritisiert der Experte.
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