Von Lutz Reiche und Christoph Rottwilm
Hier kommen die Lebensversicherer, die mit mehr als 90 Millionen verkauften Policen die beherrschende Branche in der Altersvorsorgeindustrie sind, unter dem Strich denkbar schlecht weg: Die Hamburger Verbraucherschützer halten sowohl die klassische Kapitallebensversicherung, die private Rentenversicherung (auch als fondsgebundene Variante) sowie den "Riester"-Versicherungsvertrag nicht geeignet für die private Altersvorsorge.
Auch wenn der Kunde bei fondsgebundenen Policen das Risiko des Kursverlustes trage, stuft Castelló diese Gruppe der Assekuranzprodukte wegen des Konkursschutzes insgesamt noch als relativ sicher ("gelb"/"rot") ein. Die Rendite der Verträge dagegen sei wegen hoher Kosten "durchweg mäßig", bei vorzeitiger Kündigung sogar negativ. Die Liquidität bezeichnet die Finanzexpertin wegen der hohen Anlagedauer als "schlecht" und genannte Lebensversicherungen insgesamt für "äußerst intransparent". Fazit: ungeeignet für die Altersvorsorge.
Das gleiche Votum fällt die Expertin auch für die "Rürup"-Rente, die restriktive Basis-Rente als Rentenversicherungsvertrag. Hier lautet die Zusatzempfehlung gar: "Bestehende Verträge schnell checken lassen und notfalls aussteigen!".
Antiquitäten und Briefmarken schneiden besser ab
Aktien, Aktienfonds, Anleihen sowie Riester-Fondsparpläne hingegen stuft die Hamburger Verbraucherzentrale zwar mit Einschränkungen unter dem Strich aber als geeignete Produkte für die Altersvorsorge ein. Durchweg "Grün" zeigt der Ampelcheck für Sparbuch, Festgeld, Tagesgeld, Bundeswertpapiere und den herkömmlichen "Riester"-Banksparplan. Ein wenig skurril wirkt die Sache dann in der Tat, wenn selbst Antiquitäten, Briefmarken oder Kunstgegenstände geeigneter für die Altersvorsorge sein sollen als die millionenfach verkaufte Lebensversicherung.
GDV: "Ergebnisse gehen völlig an der Realität vorbei"
Die Versicherungswirtschaft zeigt sich ob derlei Empfehlungen entsetzt. In einem an die Mitgliedsunternehmen gerichteten Schreiben des Gesamtverband Deutsche Versicherungswirtschaft (GDV) heißt es: "Die Ergebnisse der Untersuchung und die daraus resultierenden Empfehlungen gehen völlig an der Realität vorbei. Wer staatlich empfohlene und geförderte Produkte wie die Riester- oder Rürup-Rente, die zudem strengen Bedingungen unterliegen, als nicht geeignet für die Altersvorsorge beurteilt, führt die Verbraucher in die Irre statt sie bei ihrer Geldanlage sinnvoll zu unterstützen." Die Ampelbewertung der Hamburger Verbraucherzentrale hält der GDV schlicht für "unseriös und fehlerhaft".
Selbst unter Verbraucherschützern sei es Konsens, dass der Kunde individuell und auf seinen persönlichen Bedarf abgestimmt beraten werden müsse. Eine Ampelkennzeichnung könne aber immer nur pauschale Empfehlungen aussprechen. Orientierten sich die Kunden lediglich an der Ampelfarbe eines Produkts, liefen sie "große Gefahr, ihr Geld falsch zu investieren", macht GDV-Sprecherin Ulrike Pott weitere grundsätzliche Einwände geltend.
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