Von Lutz Reiche
mm.de: Lebensversicherer sind ja zu einem ganz überwiegenden Teil in festverzinslichen Papieren investiert. Die Zinsen werden aber so schnell nicht wieder anziehen. Sollten die Unternehmen angesichts ihrer Verpflichtungen ihre Aktienquote erhöhen?
Das große Fressen: Zweifelsohne hat so mancher Lebensversicherer am Markt schwer zu kämpfen. Doch spektakuläre Pleiten oder Übernahmen sind in der Branche die Ausnahme. Der Markt konsolidiert leise: über Kooperationen, Fusionen, Bestandsübernahmen, ohne dass es die Kunden wirklich registrieren.
mm.de: Medien haben zuletzt über eine angeblich existenzbedrohliche Lage bei der Bayerischen Beamtenversicherung berichtet. Das Unternehmen weist die Berichte im Kern zurück. Mancher Beobachter geht davon aus, dass in diesem Jahr im Zuge niedriger Zinsen und schwacher Kapitalmärkte bis zu 20 Versicherer wegen ihrer schwachen Kapitalausstattung in Schwierigkeiten geraten könnten. Teilen Sie diese Einschätzung?
Ockenga: Fitch erteilt derzeit 26 Lebensversicherern im deutschen Markt ein Rating. Die Entwicklung dieser Ratings war bisher sehr robust und Herabstufungen lagen bei durchgängig hohen Ratingniveaus lediglich im Bereich von ein bis zwei Feinabstufungen. Wir sind mit dieser Entwicklung sehr zufrieden. Ich sehe auch aufgrund der Marktzahlen für die ersten sechs Monate 2009 derzeit keine Anhaltspunkte für die Vermutung, dass bis zu 20 Versicherer in Schwierigkeiten kommen könnten.
mm.de: In einer konzertierten Aktion fing vor Jahren die Branche die insolvente Mannheimer Leben auf. Einen zweiten so spektakulären Fall werden die Lebensversicherer sicher vermeiden wollen. Wie wird sich also die Konsolidierung des Marktes in Zukunft vollziehen?
Ockenga: Wir als Agentur gehen weiter davon aus, dass sich die anhaltende Konsolidierung im deutschen Versicherungsmarkt in erster Linie über Marktanteilsverschiebungen vollziehen wird. Es wird darüber hinaus zu einzelnen Übernahmen kommen. Aufgrund der starken Stellung der Gesellschaftsform Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit, sollten Fusionen und Kooperationen aber eine größere Rolle als direkte Übernahmen spielen.
© manager magazin online 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH