Berlin - Hauseigentümer können ihre Anschlussfinanzierung jetzt krisenfest machen, indem sie bis zur vollständigen Tilgung ihres Kredits niedrige Zinsen festschreiben. Bei den Spitzenangeboten liegt der Effektivzins für einen 100.000-Euro-Kredite mit zehn Jahren Zinsbindung derzeit bei nicht einmal 4 Prozent im Jahr. Eigentümer, die ihren Anschlusskredit erst in ein paar Jahren benötigen, können sich die niedrigen Zinsen bei vielen Banken mit einer Vorlaufzeit von bis zu fünf Jahren reservieren - mit einem sogenannten Forwarddarlehen. Das kostet einen Aufschlag. Wer dann noch einen festen Zinssatz bis zur vollständigen Tilgung des Kredits vereinbart, ist ein für allemal vor steigenden Zinsen geschützt.
Finanztest hat die Konditionen von 62 Anbietern für zinssichere Anschlusskredite und Forwarddarlehen verglichen. Die Kreditsumme des Modellfalls betrug 100.000 Euro. Da der Zinssatz ein für allemal fix sein sollte, sind die Raten so kalkuliert, dass der Kredit am Ende der Zinsbindung von 10, 15, oder 20 Jahren getilgt ist. Je länger die Zinsbindung und die Vorlaufzeit, desto teurer der Anschlusskredit.
Es gibt gewaltige Unterschiede zwischen den Angeboten: Für ein zinssichere Forwarddarlehen mit drei Jahren Vorlaufzeit und 15 Jahren Zinsbindung beträgt der Abstand zwischen günstigstem und teuerstem Angebot über die gesamte Laufzeit satte 10.600 Euro. Vergleichen lohnt also. Kreditvermittler wie Interhyp und Accedo, aber auch Direktbanken wie comdirect Bank oder Cortal Consors bieten derzeit Spitzenzinsen. Regionale Banken wie die Sparda-Banken Nürnberg und West sowie die PSD Koblenz liegen bei Krediten mit zehn Jahren Zinsbindung mit vorn.
Im Vergleich zu Darlehen, die sofort ausgezahlt werden, müssen Kreditnehmer für das Forwarddarlehen einen Zinsaufschlag zahlen - je länger die Vorlaufzeit, desto höher der Aufschlag. Kostet ein Forwarddarlehen mit zehn Jahren Zinsbindung und einer Vorlaufzeit von einem Jahr im Schnitt bereits 0,22 Prozentpunkte mehr, erhöht sich der Aufschlag bei einer Vorlaufzeit von vier Jahren bereits auf durchschnittlich 1,04 Prozentpunkte. So viel müssen die Zinsen für ein herkömmliches Anschlussdarlehen erstmal steigen, damit sich das Forwarddarlehen noch lohnt.
Grundsätzlich gilt: Kreditnehmer müssen ein Forwarddarlehen zum vereinbarten Zinssatz abnehmen. Sind die Zinsen inzwischen gesunken, stehen sie mit einem teuren Darlehen da. Davor schützen Forwarddarlehen mit Kündigungsoption. Die Sicherheit hat ihren Preis. Zu den üblichen Forwardzuschlägen kommt ein Aufschlag von 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte für das Rückzahlungsrecht. Besonders flexibel ist das Angebot des Versicherers Swiss Life, wie der Testkompass zeigt. Der Kunde kann das Darlehen jederzeit zum nächsten Quartalsende zurückzahlen. Er muss dafür keine Gründe nennen, keine Vorfälligkeitsentschädigung zahlen und nicht einmal kündigen. Etwas günstiger, aber weniger flexibel sind die kündbaren Forwarddarlehen der Volksbank Düsseldorf Neuss.
© manager magazin Online 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH