Experte Voigtländer hat eine klare Antwort: "Eine Förderung für den Wohnungsbau ist derzeit nicht sinnvoll", sagt er. "Die demografische Entwicklung führt schon jetzt dazu, dass in weiten Teilen der Bundesrepublik die Nachfrage nach neuem Wohnraum merklich zurückgeht." Im Großteil Ostdeutschlands etwa, so Voigtländer, ist dies der Fall. "Eine steigende Nachfrage nach Wohnraum gibt es im Grunde nur in Ballungszentren wie Hamburg oder München", sagt er.
Hinzu kommen laut Voigtländer weitere Erkenntnisse, die die These von den Vorteilen einer hohen Wohneigentumsquote ins Wanken bringen. "In den USA haben Untersuchungen ergeben, dass Eigenheimbesitzer sozial engagierter sind als Mieter", so der Fachmann. "Ebenso gibt es aber Studien, die zeigen, dass sich dieses Phänomen in Deutschland nur in beschränktem Maße zeigt."
Mit Blick auf den Arbeitsmarkt erscheint eine hohe Wohneigentumsquote sogar nachteilig. Denn wer erst mal im eigenen Häuschen wohnt, wird eher zögern, für den Job die Stadt zu wechseln, als ein Mieter.
Schließlich zeigt das Beispiel USA, welche verhängnisvollen Folgen eine allzu expansive Wohneigentumspolitik haben kann. Möglichst jeder sollte sich dort ein Eigenheim leisten können, das war jahrelang die Maxime in Washington. Finanziert werden sollte das zum Großteil mit den sogenannten Subprime-Krediten für Leute, denen sonst kaum jemand Geld leihen wollte.
Das ging bekanntlich gut, so lange die Zinsen niedrig blieben und die Immobilienpreise stiegen. Als der Markt 2006 jedoch drehte, gerieten die vielfach bonitätsschwachen Hauskäufer in finanzielle Not. Die Kredite wurden nicht mehr bedient - was aufgrund der Verbriefung der Darlehen nebst Platzierung auf dem Weltkapitalmarkt die größte globale Finanz- und Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten auslöste.
Eine Entwicklung wie in den USA ist in Deutschland kaum vorstellbar - und wird auch von kaum jemandem angestrebt. Beim Immobilienverband jedenfalls gibt man sich bescheiden: Auf 60 bis 70 Prozent ließe sich die Eigentumsquote hierzulande wohl steigern, sagt Verbandssprecher Schick. In den kommenden zehn bis 15 Jahren.
© manager magazin online 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH