mm.de: Ganz konkret, wie finden Sie Werke, die Sie für unterbewertet halten? Der Markt ist für Außenstehende immerhin nicht eben transparent.
Kiradi: Johannes Faber, der die künstlerische Seite des Fonds gemeinsam mit seinem Kompagnon Alexander Spuller managt, ist seit fast 30 Jahren als Galerist, Händler und Kurator in diesem Segment aktiv und auf allen wichtigen Messen und Veranstaltungen weltweit vertreten. Er hat über die Jahre ein globales Netzwerk aufgebaut, das von Sammlern, Galeristen und Kuratoren bis zu ehemaligen Assistenten verstorbener Fotokünstler reicht. Das kann er für den Fonds gut nutzen. Die Leute sind immer schon auf ihn zugekommen und haben ihm Objekte angeboten, weil sie wussten, dass er sich auskennt, und dass er auch bereit ist, faire Preise zu zahlen. Das hat sich jetzt noch verstärkt, weil er mit den Geldern des Fonds besser und öfter zugreifen kann.
mm.de: Das klingt nach einem erheblichen Schlüsselpersonenrisiko.
Kiradi: Klar, der Fonds steht und fällt mit den beiden Herren. Wenn ihnen - was Gott verhüten möge - etwas passieren sollte, gäbe es ein Problem. Dafür ist aber Vorsorge getroffen, Ersatzleute wurden als Back-up vorbereitet. Beide Herren wissen das auch. Klar ist: Die Performance des Fonds hängt von der Qualität der Arbeit der beiden Manager ab.
mm.de: Bei anderen Investments stehen meist rationale Kriterien bei der Entscheidungsfindung im Vordergrund. Bei Kunst spielen aber auch der Geschmack und das Gefühl des Betrachters eine wichtige Rolle. Ist es nicht ein Problem, dass einem beides bei der Entscheidungsfindung den klaren Blick trüben kann?
Kiradi: Wie bei allen sogenannten Passioninvestments - also auch bei Wein oder Antiquitäten - schwingt das Thema auch bei uns mit. Natürlich lieben die Herren Faber und Spuller die Werke, die sie kaufen. Aber das ist auch gut, es geht ja darum, die schönsten Dinge zu finden, und das im Idealfall eben auch noch zu einem unterbewerteten Preis. Nur so kommen wir mit dem Fonds unserem qualitativen Ziel näher, in diesem Segment die wichtigste Fotosammlung weltweit zu werden, die Ikonensammlung der Fotografie. Dass wir da auf einem ganz guten Weg sind, zeigt die Tatsache, dass ab Mitte Januar nächsten Jahres die Wiener Albertina eine Ausstellung von August Sander zeigen wird, bei der alle Werke aus dem Fondsbesitz stammen. Das sagt viel über die Qualität der erworbenen Werke aus.
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