mm.de: Herr Kiradi, auch am Kunstmarkt hat die Finanz- und Wirtschaftskrise für Preisrückgänge gesorgt. Wie hat Sie das getroffen?
Kiradi: Wir haben es beobachtet, ja. Auf dem breiten Kunstmarkt ist vor allem für zeitgenössische Kunst ein Rückgang, ein Einbruch zu beobachten. Mit unserem Fonds haben wir aber den Vorteil, dass wir uns in einem Segment bewegen - nämlich klassische Moderne der Fotografie -, das sich anders entwickelt hat.
Friedrich Kiradi ist Managing Partner der Merit-Gruppe mit Sitz in Wien und Geschäftsführer der Merit Alternative Investments GmbH. Das Unternehmen managt Fonds in den Bereichen Managed Futures, Absolute Return/Equity Hedged sowie Real Assets. Zu letzteren Anlageklassen zählt Merit neben Rohstoffen auch Kunst - mit dem Art Photography Fund als Anlagevehikel. Der Fonds wurde im März 2008 aufgelegt und hat inzwischen ein Volumen von knapp zehn Millionen Euro, mit denen bereits etwa 1100 Werke erworben wurden.
Kiradi: Das sogenannte junge Geld, das anderswo die Preise getrieben hatte, ist in dieses Segment kaum geflossen. Daher bleiben wir jetzt von den Rückgängen weitestgehend verschont. Es gibt übrigens Untersuchungen, die zeigen, dass in der Malerei die alten Meister ebenfalls vom Markteinbruch kaum betroffen sind. Das lässt sich offenbar auf uns übertragen.
mm.de: Und deshalb verläuft die Performance Ihres Fonds deutlich gleichmäßiger, als beispielsweise verschiedene Kunstindizes mit anderem Fokus?
Kiradi: Genau. Und es gibt offenbar noch stille Reserven im Fonds. Denn wir haben bereits begonnen, die Kunstwerke nicht nur bewerten zu lassen, sondern auch zu verkaufen. Es hat sich gezeigt, dass die erzielten Preise im Schnitt rund 10 Prozent über der letzten Bewertung lagen.
mm.de: Wenn Ihr Segment aber für das - wie Sie sagen - junge Geld nicht so interessant ist und entsprechende Preissteigerungen ausgeblieben sind, heißt das, dass die Renditechancen ihrer Investments ebenso begrenzter sind, als anderswo im Kunstbereich?
Kiradi: Ja und nein. Zum einen kommen exorbitante Entwicklungen wie bei Künstlern wie Damien Hurst oder Andreas Gursky, wo sich die Preise zum Teil ver-x-facht haben, bei uns bislang nicht vor. Andererseits drohen aber eben auch keine Preiseinbrüche, weil sich plötzlich in einer Krise keiner mehr fände, der überhöhte Preise zahlte. Wir befinden uns in einem kleinen, überschaubaren Markt von ein paar Tausend Spezialisten und Sammlern weltweit. Das sind Museen, Kenner und Liebhaber. Da gibt es solche Hypes eben nicht.
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