Mittwoch, 8. Februar 2012, 16:35 Uhr

manager magazin



Inflationmanager magazin RSS  - Konjunktur - Inflation

Alle Artikel und Hintergründe

14.05.2009
 

Konjunktur

"5 Prozent Inflation ab 2011"

Von Christoph Rottwilm

Deflation oder Inflation, wohin geht die Reise? Thomas Straubhaar begrüßt zwar die expansive Geldpolitik gegen die Rezession. Der HWWI-Direktor fürchtet aber, dass die Stimmung am Ende des Abschwungs schneller dreht, als den Notenbanken recht ist - und sagt im Interview stark steigende Inflationsraten voraus.

mm.de: Herr Straubhaar, Sie warnen vor einem drastischen Anstieg der Inflationsraten. Welches Szenario schwebt Ihnen vor?

Straubhaar: Zunächst sehe ich - wie alle meine Kollegen auch - in diesem Jahr eher Deflationserwartungen. Um dies zu drehen, so sagt es jedes Lehrbuch, muss man Inflationserwartungen erzeugen. Das machen die Notenbanken derzeit weltweit, indem sie in einer ersten Stufe die Zinsen heruntergestuft haben und mit frisch gedrucktem Geld Anleihen kaufen. So wird die Zentralbankgeldmenge ausgeweitet. Die Notenbanken beginnen nun in einem weiteren Schritt sogar damit, gegen frisch gedrucktes Geld "toxische Papiere" hereinzunehmen. In der Summe sehen wir eine Vervielfachung der Zentralbankgeldmenge. Die Frage ist nun, inwieweit das auch in der realen Wirtschaft ankommt.

Wertlose Scheine: HWWI-Direktor Straubhaar glaubt nicht, dass die Notenbanken rechtzeitig die Kurve kriegen
Zur Großansicht
REUTERS

Wertlose Scheine: HWWI-Direktor Straubhaar glaubt nicht, dass die Notenbanken rechtzeitig die Kurve kriegen

mm.de: Momentan passiert das jedenfalls noch nicht.

Straubhaar: Richtig, die allgemeine Unsicherheit hat die Nachfrage nach Geld noch nicht so sehr nach oben gepusht. Wissenschaftlich könnte man sagen: Die notwendige Voraussetzung für eine Ausweitung von M3 ist gegeben, sie ist aber noch nicht hinreichend. Das ist erst dann der Fall, wenn die Bankbilanzen saniert sind und die Konjunktur ihre Talsohle durchschritten hat. Dann wird das Geld auch in den Wirtschaftskreislauf fließen und die Inflationsraten werden steigen.

mm.de: Das sehen nicht alle ihre Kollegen so.

Straubhaar: Richtig, viele meiner Kollegen sagen, es sei im entscheidenden Moment möglich, die Entwicklung zurückzudrehen und das Geld wieder einzufangen. Da sage ich aber, wir wissen aus historischen Erfahrungen, dass das in der Regel zu spät erfolgt.

mm.de: Dass die Geldmenge noch nicht wirklich steigt, liegt jedoch nicht nur daran, dass die Nachfrage der Unternehmen fehlt. Ein Grund ist auch, dass viele Banken das frische Geld in ihrem Sektor halten, um sich selbst damit zu sanieren.

Straubhaar: Beides findet statt. Das Geld wird auch von den Banken benötigt, um ihr Eigenkapital aufzustocken. Aber die Banken sind durchaus auch daran interessiert, das Geld weiterzugeben. Sie fordern allerdings zunehmend höhere Risikoprämien und mehr Eigenkapitalunterlegung von den Firmen. Das wiederum mindert die Kreditnachfrage der Firmen. Solange die konjunkturelle Unsicherheit noch so groß ist wie zurzeit, wird die Kreditnachfrage auch schwach bleiben. Das Inflationsszenario wird daher in diesem Jahr noch nicht greifen.

mm.de: Sondern?

Straubhaar: Sobald die Erwartung beziehungsweise die Stimmung in der Wirtschaft und bei den Menschen dreht. Alle Regierungen und alle Notenbanken arbeiten zurzeit ja heftig daran, die Erwartungen zu ändern und dafür zu sorgen, dass die Menschen sagen: Es geht wieder aufwärts. Insofern ist es gerade deren Ziel, Inflationserwartungen zu erzeugen. Sobald das Ziel aber erreicht ist, bekommt die Sache eine rasante Eigendynamik, die sich mit einem einfachen Rückwärtsdrehen der Geldpolitik nicht wieder einfangen lässt. Und dann haben wir genau die Inflationsentwicklung, die ich prognostiziere.

Diesen Artikel...

Social Networks

  • Twitter
  • Facebook
  • MySpace
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • Newsvine
  • reddit
  • StumbleUpon
  • Windows Live
  • Yahoo! Bookmarks
  • Yigg

© manager magazin Online 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH












Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service manager magazin mobilmm mobil Twitter-FeedsTwitter-Feeds
Angebote von A bis ZAngebote von A-Z SPIEGEL-Gruppe - Nachdruckrechte und LizenzenNachdrucke WährungsrechnerWährungsrechner
Ihr persönliches DepotDepot Newsletter-Abo: managerupdateNewsletter-Abo Werbung buchenWerbung buchen
E-MailE-Mail RSSRSS-Newsfeed Info: Wir über unsWir über uns
KurseKurse Der Shop von manager magazin und Harvard Business ManagerShop manager-magazin.de als Startseite einrichtenmm.de als Startseite
Partnerangebote
Analysieren Sie online Ihren Standort im Vergleich zu den Besten mit CONTOR-REGIOContor-Regio:
Analysieren Sie
online Ihren Standort
Seminarmarkt: Tanken Sie KarrierewissenSeminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
imedo Arztsuche: Ärzte, Therapeuten, Heilpraktiker und Apothekenimedo:
Ärzte, Heilpraktiker, Apotheken
Handytarife: Finden Sie den passenden TarifHandytarife:
Finden Sie den passenden Tarif
Medführer: Finden Sie Ihren Arzt oder Ihre KlinikMedführer:
Finden Sie Ihren Arzt
oder Ihre Klinik
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug?GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?
Nach oben