Lockruf der Sicherheit
Überraschend ist die hohe Nachfrage nicht. Viele Anleger suchten im Gold "die ultimative Sicherheit", meint Wrzesniok-Roßbach. "Wer seit Herbst 2008 Gold kauft, ist getrieben vom Sicherheitsgedanken: Gold als sicherer Hafen." Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers Mitte September hatte Panik ausgelöst. Doch so gut wie alle Experten warnen zugleich eindringlich vor der Hoffnung auf schnellen Reichtum. "Gold kann man in gewisser Weise als Versicherung sehen, man sollte es aber nicht überschätzen und alles darauf setzen", sagt DZ-Bank-Analyst Gabor Vogel. Und Gold wirft auch keine Zinsen oder Dividenden ab.
Dennoch: Allein in Deutschland wurde Schätzungen zufolge im vergangenen Jahr die Rekordmenge von bis zu 100 Tonnen Goldbarren und -münzen gekauft - gut das Vierfache eines normalen Jahres. Weltweit kletterte die Goldnachfrage 2008 im Vergleich zum Vorjahr um 87 Prozent, wie der Branchenverband World Gold Council (WGC) errechnet hat. "Seit dem 4. Quartal 2008 sehen wir einen deutlichen Anzug der Nachfrage - gemessen an der Größe der Orders müssen das institutionelle Investoren sein", sagt Commodities-Geschäftsführer Orben, der im Hauptberuf für die Deutsche Bank arbeitet. Teilweise würden 250 bis 500 Kilogramm auf einmal gekauft.
Hinter den grauen Stahltüren im Tresor der Börse in Frankfurt ist noch reichlich Platz. Auf den etwa 90 Quadratmetern verlieren sich an einer Wand gut vier Dutzend grau-schwarze Plastikbehälter, in denen die meisten der rund 29 Tonnen Goldbarren der Börse verwahrt werden. Neues kommt immer dann dazu, wenn Kunden die sogenannte Xetra-Gold- Anleihe erwerben.
"Wir bekommen derzeit häufiger Lieferungen als sonst. Der März war einer der stärksten Monate, sogar noch stärker als der September 2008", berichtet ein Mitarbeiter im Tresor. "Jeder Goldbarren wird nachgewogen. Aber das Gewicht passt immer." 12,5 Kilogramm bringt ein Barren auf die Waage und kostet somit derzeit rund 270 000 Euro. Der Goldbestand der Börse ist damit über 600 Millionen Euro wert. Der Tresorleiter zeigt sich dennoch gelassen: "Das ist letztlich wie in einer Bücherei, wie in einem Lager", sagt er nach neuneinhalb Jahren in diesem Job. "Wir passen halt gut drauf auf."
Der Goldschatz der Deutschen Börse dürfte langfristig noch wertvoller werden: DZ-Bank-Experte Vogel prognostiziert für Ende 2010 einen Goldpreis von 1200 Dollar je Unze: "Das Angebot kann nicht so rasch gesteigert werden wie die Nachfrage zunimmt, das treibt den Preis nach oben."
manager-magazin.de mit Material von dpa
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