Von Lutz Reiche und Christoph Rottwilm
Hamburg - Die Wirtschaftskrise führt im Lebensversicherungsmarkt zu erheblichen Verschiebungen. Auf der einen Seite ringen die Anbieter mit fallenden Zinsen am Kapitalmarkt und um die Stabilität ihrer Ausschüttungen. Auf der anderen stehen Millionen Kunden, die immer mehr in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten und in dieser Lage ihre Police kündigen wollen oder müssen.
Millionen Lebensversicherte: Nahezu jeder zweite kündigt vorzeitig seine Police.
Die Abwärtstendenz bei den Ablaufleistungen auslaufender Versicherungsverträge dokumentierte jüngst der Map-Report: Deutschlands Lebensversicherer zahlen ihren Kunden im Schnitt auch 2009 weniger aus. Damit sinken die Leistungen zum achten Mal in Folge. Ein Ende der Abwärtsspirale ist noch nicht in Sicht, sagen Marktkenner voraus. Die Rutschpartie geht also weiter.
Für die Millionen Kunden der Assekuranz sind das keine schönen Nachrichten. Ohnehin wachsen bei vielen von ihnen die wirtschaftlichen Sorgen. Wie geht es mit der Rezession weiter? Welche Perspektive hat mein Arbeitgeber? Habe ich nächstes Jahr noch einen Job?
Das Problem: Für jene, die in finanzielle Schwierigkeiten geraten, werden die Chancen, eine Lebensversicherungspolice zu liquidieren und dabei den erhofften Preis zu erzielen, immer geringer. Denn was manager-magazin.de schon vor Monaten kommen sah, tritt jetzt ein: Die Möglichkeiten, Versicherungsverträge auf dem in Deutschland erst im Jahr 1999 institutionalisierten Zweitmarkt abzusetzen, sinken von Tag zu Tag. Bislang zahlen Käufer am Zweitmarkt im Schnitt rund 3 Prozent mehr als der Versicherer beim Storno.
"Es gibt noch Käufer auf dem Zweitmarkt", sagt zwar Ingo Wichelhaus, Sprecher des Branchenverbandes BVZL für den deutschen Policenzweitmarkt. "Die Selektion wird aber immer strenger." Den Ausschlag für diese Entwicklung gab laut Wichelhaus das Austrocknen des Marktes für geschlossene Lebensversicherungspolicenfonds.
Fondsinitiatioren haben sich verkalkuliert
Hintergrund: Mitte vergangenen Jahres waren mehrere dieser Fonds, die bislang den weitaus größten Teil der gekündigten Policen absorbierten, in Schieflage geraten. Die Fonds hatten ihre Investments mit reichlich Fremdkapital finanziert. Offenbar bekamen sie Schwierigkeiten, weil die Zinslast nicht im gleichen Maße fiel wie die Ablaufleistungen der im Portfolio befindlichen Lebensversicherungen.
Besonders verheerend für den Markt war das Scheitern von drei Fonds des Emissionshauses König & Cie. aus Hamburg. Die Gesellschafter zogen im Sommer 2008 die Notbremse und beschlossen, die Policen im Portfolio kurzerhand zu veräußern und die Fonds aufzulösen.
Das ist inzwischen auch gelungen. "Trotz der sinkenden Nachfrage nach Zweitmarktpolicen aufgrund der zunehmend unsicheren Renditeentwicklung von Lebensversicherungen sowie der schwierigeren Finanzierungsverhältnisse hat die Fondsgeschäftsführung im März 2009 Kaufverträge mit einem luxemburgischen Policenaufkäufer schließen können", schreibt der Anbieter in einer Stellungnahme an manager-magazin.de. Demnächst will König & Cie. eine aktualisierte Prognose über den zu erwartenden Gesamtmittelrückfluss für die Anleger erstellen.
"Die sofortige Verwertung kann nicht gewährleisten, dass die Anleger ihr Kapital vollständig zurück erhalten", schreibt das Unternehmen jedoch. "Aus diesem Grund haben sich die Gesellschafter dazu entschlossen, durch ein Reinvestitionsprogramm eventuelle Verluste zu vermeiden oder zu reduzieren."
Im Klartext heißt das: Die Anleger hätten mit ihrem Investment noch größere Verluste gemacht, als sie jetzt möglicherweise eintreten, würde nicht der Initiator einspringen und diese ausgleichen.
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