Doch selbst damit ist die ganze Dimension des Themas wohl noch nicht erfasst. Einerseits könnten die Behörden Beobachtern zufolge auf die Idee kommen, auch die Steuerkonzepte von Flugzeugleasing- und Schiffsleasingfonds aus der Vergangenheit wieder aufzubohren, die denen von Medienfonds laut Experten ähnlich waren.
Zum anderen aber, und das liegt deutlich näher, könnte der Fiskus mit seiner Attacke auch einen Markt treffen, der zwar gewaltig ist, über den aber sonst kaum jemand spricht: die sogenannten Private Placements. Hintergrund: Neben dem Geschäft mit dem breiten Publikum konzipieren die meisten Emissionshäuser auch individuelle Investmentofferten für jeweils wenige Großanleger. Eine Handvoll Hamburger Kaufleute erwirbt auf diese Weise beispielsweise gerne mal ein Containerschiff - oder ein gut betuchter schwäbischer Unternehmer lenkt seine Millionen so ins Filmgeschäft.
Die Initiatoren reden über diesen Bereich ihres Geschäfts nicht gerne. Anzahl oder Volumina der Fonds etwa geben die meisten ebenso wenig preis wie die rechtliche oder steuerliche Gestaltung der Gesellschaften. Die Privatsphäre der Kundschaft genießt höchste Priorität. "Private Placements heißen Private Placements, weil sie privat sind", lautet beispielsweise bei LHI der Kommentar. Immerhin, so viel ist einigen Anbietern zu entlocken, leasingähnliche Gestaltungen mit Defeasance-Strukturen hat es auch im Bereich der Medienfonds-Privatplatzierungen jahrelang gegeben.
400 Gesellschaften, über eine Milliarde Volumen
"Wenn die Finanzverwaltung die Dinge so beurteilt, wie dies von den Fondsinitiatoren dargestellt wird, so können davon auch Private Placements betroffen sein, sofern sie entsprechend konzipiert sind", sagt dazu ein branchenbekannter Steuerexperte, der in dem Zusammenhang lieber nicht genannt werden möchte. "Die Anzahl der Investoren spielt dabei grundsätzlich keine Rolle."
Die Zurückhaltung der Emittenten kommt also wohl nicht von ungefähr, denn bislang ist dieser Marktbereich offenbar noch nicht in den Fokus des Fiskus geraten. Dabei geht es Insidern zufolge um erhebliche Größenordnungen. "Man kann davon ausgehen, dass zu jedem Euro, der in den vergangenen Jahren in leasingähnliche Publikumsfonds geflossen ist, noch einmal ein Euro kommt, der in leasingähnliche Privatplatzierungen investiert wurde", sagt etwa David Groenewold, Filmproduzent und mit seiner Firma German Film Productions selbst Initiator von Filmfonds. "Allein im Raum München gibt es mindestens 400 solche Gesellschaften, über die vermögende Privatleute große Summen investiert haben."
Und was für Summen. "Der Bereich der Private Placements bewegt sich erheblich oberhalb dessen, was bisher veröffentlicht wurde", sagt einer, der zahlreiche Initiatoren jahrelang bei der Konzeption von Filmfonds - öffentlichen wie auch privaten - federführend beraten hat, gegenüber manager-magazin.de. Das Volumen der vom aktuellen Schwenk der Bayerischen Finanzverwaltung theoretisch betroffenen Privatplatzierungen rangiert auch nach seiner Einschätzung im Milliarden-Euro-Bereich.
Viel Potenzial also für weitere Steuernachforderungen - falls die Beamten auch diesen dunklen Teil des Kapitalanlagemarktes ins Visier nehmen.
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