20.03.2009
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Klaus Kaldemorgen

"Die Geldschwemme beängstigt mich"

Von Simon Hage

3. Teil: Zeiten des Buy-and-Hold sind vorbei

mm.de: Inflation wäre schlecht für die Besitzer von Staatsanleihen. Was halten Sie von diesen Papieren?

Monetäre Lösung gegen Staatsschulden? Eine Geldschwemme, die zu starken inflationären Tendenzen führen kann
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Monetäre Lösung gegen Staatsschulden? Eine Geldschwemme, die zu starken inflationären Tendenzen führen kann

Kaldemorgen: Staatsanleihen würde ich meiden. Denn bei einer so geringen Rendite von 3 Prozent auf zehn Jahre wird man für das eingegangene Risiko ja schon fast bestraft. Da braucht die Rendite von Staatsanleihen nur von 3 auf 4 Prozent zu steigen, und schon kommt es zu starken Kursverlusten. Das möchte ich nicht. Bevor ich dem Staat zehn Jahre lang Geld für 3 Prozent leihe, lege ich es lieber in den Tresor.

mm.de: Wie sieht es mit Unternehmensanleihen aus?

Kaldemorgen: Diese weisen im Moment schon nahezu aktienähnliche Rendite auf. Man muss sich heute als Aktienanleger fragen, ob die Unternehmensanleihe nicht das bessere Konstrukt ist. Einige Bankanleihen, zum Beispiel das sogenannte Tier-One-Capital der Deutschen Bank, bietet eine Rendite von rund 17 Prozent. Ist es da nicht besser, eine solche Anleihe anstatt der Aktie zu kaufen? Bei jeder Anlage, egal welcher Art, kommt es ja nicht nur auf die Wertsteigerungen an, sondern auch auf die Zinszahlungen im Zeitablauf.

mm.de: Aktien einfach nur zu kaufen, liegen zu lassen und auf Wertsteigerungen zu hoffen - das funktioniert offenbar nicht mehr.

Kaldemorgen: Die Zeiten des Buy-and-Hold sind spätestens seit dem Platzen der Technologieblase vorbei. Man muss sich stattdessen immer den Marktgegebenheiten anpassen und immer wieder neu überdenken, ob die aktuelle Anlagestrategie so noch gültig ist.

mm.de: Das heißt, aufgrund kürzerer Börsenzyklen und höherer Volatilitäten werden Investoren künftig schneller reagieren müssen als früher.

Kaldemorgen: Kein Zweifel. Das hängt damit zusammen, dass sich der Markt in den vergangenen Jahren stärker professionalisiert hat. Gerade die Hedgefonds verfolgen eine sehr bewegliche Anlagestrategie und bewegen damit auch die Märkte schneller.

mm.de: Ist die Zeit langfristig hoher Aktienrenditen von jährlich 8 bis 10 Prozent vorbei?

Kaldemorgen: Das ist schwer zu sagen. Die Aktienrendite der vergangenen Jahre ist negativ. Wir haben jetzt schon seit längerer Zeit eher schwache Renditen am Aktienmarkt. Das hängt auch immer davon ab, mit wie viel Fremdkapital Unternehmen arbeiten und wie das Fremdkapital verzinst werden muss. Wir haben zwischen 2003 und 2008 eine goldene Zeit erlebt, weil die Unternehmen enorm viel Fremdkapital zu sehr niedrigen Kosten in ihre Bilanz nehmen konnten. Damit ließ sich die Eigenkapitalrendite exorbitant steigern. Ich glaube, diese Zeiten sind jetzt erst mal passé. Das heißt, alle Unternehmen werden mit mehr Eigenkapital als Risikopuffer arbeiten. Und das wird die Rendite wohl insgesamt schmälern. Allerdings werden die Unternehmen dadurch in den nächsten Jahren ihre Substanz verbessern. Und das kann sich durchaus positiv auf die Kurse durchschlagen.

mm.de: Was halten Sie von Gold als Absicherung gegen Verluste?

Kaldemorgen: Da bin ich immer etwas skeptisch. Man kann grundsätzlich kein Vermögen bilden, wenn es kein Wirtschaftswachstum gibt. Wenn die wirtschaftliche Leistung abnimmt oder nicht existiert, muss auf der anderen Seite auch Vermögen an Wert verlieren. Wenn die Bauern ihre Äcker nicht mehr bestellen und die Hühner keine Eier mehr legen, dann nützt Ihnen Gold auch nichts. Sie brauchen ein Einkommen, mit dem Sie zum Bauern gehen und Eier kaufen können. Wir sind eben alle nur so reich oder so arm wie unsere Wirtschaft. Als Absicherung gegen eine inflationäre Ausweitung der Geldmenge sollte man Gold als Beimischung aber durchaus ins Kalkül ziehen.

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