Donnerstag, 9. Februar 2012, 14:44 Uhr

manager magazin



20.03.2009
 

Klaus Kaldemorgen

"Die Geldschwemme beängstigt mich"

Von Simon Hage

Die Welt der Geldanlage ändert sich im Zuge der Finanzkrise radikal. Deutschlands renommiertester Fondsmanager, Klaus Kaldemorgen, erklärt im Gespräch mit manager-magazin.de, gegen welche Gefahren Investoren sich wappnen müssen - und welche Anlagen sich noch lohnen.

Hamburg - Anleger müssen sich auf eine neue Ära einstellen. Ein Zeitalter, das langfristige Börsenverluste genauso wenig ausschließt wie den Ausfall vermeintlich sicherer Staatsanleihen. In seiner aktuellen Ausgabe, die seit heute (20. März) im Handel erhältlich ist, analysiert manager magazin diese neue Epoche der Geldanlage. Ergänzend dazu spricht Klaus Kaldemorgen (55), Sprecher der Geschäftsführung der Fondsgesellschaft DWS, mit manager-magazin.de über Risiken und Renditechancen in der Rezession.

DWS-Chef Kaldemorgen: "Ich glaube, Risiko lohnt sich wieder"
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DWS-Chef Kaldemorgen: "Ich glaube, Risiko lohnt sich wieder"

mm.de: Herr Kaldemorgen, fast alle Asset-Klassen haben in den vergangenen Monaten an Wert verloren. Eine völlig neue, bislang nie da gewesene Situation für die Anleger?

Kaldemorgen: Lediglich in den 30er Jahren gab es eine ähnliche Situation, in der Diversifikation nichts mehr genützt hat. Zuletzt stemmten sich nur Staatsanleihen gegen den Trend. Außerdem war Cash - also Tagesgeld oder kurzfristige Termingelder - eine Möglichkeit, sich dem Abschwung zu entziehen. Derivatestrategien haben dagegen grandios gefloppt wegen des starken Anstiegs der Volatilitäten. Gold hat auch noch ein bisschen geholfen, dagegen haben Währungen gewaltige Kapriolen geschlagen. Was ich unterschätzt habe, ist der Einbruch des Ölpreises. Der war sicherlich außergewöhnlich.

mm.de: Heißt das, Diversifikation nützt gar nichts mehr?

Mehr zum Thema in: manager magazin 4/2009

Markt-Anarchie
Warum die alten Spielregeln der Geldanlage nicht mehr gelten, lesen Sie im aktuellen manager magazin, Heft 4/2009, ab Seite 124 .

Kaldemorgen: Nein. Diversifikation bedeutet ja nicht nur, Pharma ein bisschen stärker zu gewichten als die Telekombranche, oder die USA etwas stärker als Deutschland. Innerhalb des Aktienmarkts ist es angesichts der starken internationalen Vernetzung in Zukunft schwer, einen Diversifikationseffekt zu erzielen. Deshalb muss man andere Asset-Klassen verstärkt ins Kalkül ziehen: Neben Staatsanleihen und Unternehmensanleihen gibt es Cash, Immobilien und Aktien. Mit einer guten Mischung kann man sich zumindest einem Teil der Kursverluste entziehen.

mm.de: Aber gerade Immobilien sind doch mit anderen Asset-Klassen stark korreliert - der Diversifikationseffekt hält sich also in Grenzen.

Kaldemorgen: Das trifft auf die USA zu. Dort waren Immobilien der Auslöser für den Rutsch am Aktienmarkt. Hierzulande sieht das anders aus. Eine privat genutzte Immobilie ist eine fantastische Diversifikation.

mm.de: Staatsanleihen, Cash und Immobilien - allesamt erzkonservative Investments - haben sich also als gute Anlagen in der Krise entpuppt. Heißt das, Risiko ist völlig out?

Kaldemorgen: Nein, ich glaube, dass Risiko sich wieder lohnt. Wer ein hohes Risikobudget hat, der kann heute wieder Aktien und Unternehmensanleihen kaufen. Das Risiko dieser Anlagen will ich natürlich nicht wegdiskutieren. Es kann durchaus sein, dass sich solche Papiere nochmals ordentlich Richtung Süden bewegen. Aber wichtig ist auch, dass das Risiko entsprechend belohnt wird. Das war zuletzt anders: Vor der Krise akzeptierten viele Marktteilnehmer hohe Risiken für geringe Returns. Inzwischen, so glaube ich, ist das Risiko wieder angemessen bewertet. Am besten kann man das bei Unternehmensanleihen sehen. Dort betragen die Risikoaufschläge gegenüber Staatsanleihen bis zu 600 Basispunkte.

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