Von Arne Gottschalck
mm.de: Die Stimmung an den Weltbörsen ist schlecht, deutsche Anleger dürften sich kaum bemüßigt fühlen, jetzt noch "abgeltungsteuerfrei" in Aktienfonds zu investieren. Wie ist Ihre Stimmung?
Seip: Spätestens seit der Jahresmitte zeichnete sich bereits ab, dass das erwartete Abgeltungsteuergeschäft nicht realisiert werden kann. Ganz im Gegenteil: Die anhaltenden Turbulenzen an den Wertpapiermärkten, Diskussionen rund um das Jahressteuergesetz und nicht zuletzt die Garantieerklärung der Bundesregierung zur Sicherheit von Bankeinlagen haben der Fondsbranche das Geschäft schwer gemacht. Wir müssen jetzt nach vorn schauen. Ich wage die Prognose, dass wir das Schlimmste hinter uns haben. Außerdem: Wer den Mut hat, gegen den Strom zu schwimmen und jetzt in die Aktienmärkte einzusteigen, dürfte mittel- und langfristig attraktive Renditen erzielen. Das zeigen die Krisen der Vergangenheit.
mm.de: Warum schafft es die Assekuranz, sich wieder eine lukrative Nische zu bauen?
Seip: Bei den Versicherungen sieht es nur auf den ersten Blick besser aus. Die klassische kapitalbildende Lebensversicherung ist rückläufig, und Fondspolicen werden genauso leiden wie Direktanlagen in Investmentfonds. Dass die Steuervorteile der Versicherungen durch höhere Kosten meist mehr als aufgefressen werden, wie Verbraucherverbände regelmäßig aufzeigen, ist inzwischen vielen Anlegern geläufig. Dennoch bleibt es unbefriedigend, dass der Gesetzgeber sich nicht auf eine steuerliche Gleichbehandlung für langfristiges Sparen einigen konnte.
mm.de: Was meinen Sie - wie viele Deutsche werden ihr Depot vor Ende 2008 überdenken und vielleicht sogar umbauen?
Seip: Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Anleger dazu neigen, erst kurz vor dem Stichtag steuerrechtlicher Veränderungen zu reagieren. Vermutlich erleben wir deshalb in den letzten Wochen dieses Jahres tatsächlich noch mal einen kleinen Boom bei Aktienfonds und Mischfonds, zu denen auch Dachfonds gehören. Fest steht: Wer langfristig Aktien und Aktienfonds in seiner Vermögensaufteilung haben möchte – und da haben die meisten Deutschen Nachholbedarf –, sollte diese vor dem 31. Dezember dieses Jahres kaufen.
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