Von Lutz Reiche
Herrmann: Muss der Wohn-Riester-Sparer die Immobilien aus beruflichen Gründen befristet vermieten, ist dies aus steuerrechtlicher Sicht unschädlich. Voraussetzung ist aber, dass der Vorsorgesparer beabsichtigt, die Immobilie selbst wieder zu bewohnen und dies spätestens mit dem 67. Lebensjahr tatsächlich auch tut. Wie hoch die Rückforderung des Fiskus ausfällt, hängt letztlich vom Einzelfall ab.
mm.de: Die Eigenheimrente versucht die private Altersvorsorge und die Immobilienfinanzierung zu verknüpfen. Zwei Ziele also - bleibt da in der Praxis nicht eines der beiden auf der Strecke?
mm.de: Kann die in der Ansparphase und im Alter eingesparte Miete diesen möglichen Liquiditätsmangel nicht ausgleichen?
Herrmann: Hier ist entscheidend, in welchem Alter der Verbraucher tatsächlich eine Immobilie baut oder kauft und die Miete einspart. Je früher er beginnt, desto besser wird es für ihn laufen.
mm.de: Wer also sollte die neue Wohnbauförderung mit Riester in Anspruch nehmen, für wen lohnt sich das wirklich?
Herrmann: Die eigentliche Riester-Rente sollte jeder in Anspruch nehmen, der Anspruch auf die Förderung hat. Bei der neuen Eigenheimrente gilt es, abzuwägen. Wohn-Riester ist eine gute Sache für alle, die bis zum Rentenalter die Wohnbaufinanzierung sicher zurückgezahlt haben. Eben weil die ersparten Schuldzinsen aus dem Riester-Vertrag in der Regel höher sind, als die mögliche Verzinsung bei einer Bank- oder Versicherungslösung.
Allerdings - und hier liegt das grundlegende Problem der neuen Eigenheimrente - werden nur Vermögende und Spitzenverdiener in der Lage sein, ihre Immobilie zu entschulden und zugleich zusätzliches Kapital für eine hinreichende Altersrente anzusparen. Wer dies nicht leisten kann, sollte tunlichst die Finger von Wohn-Riester lassen. Mit anderen Worten: Für Gering- und Durchschnittsverdiener geht die Wohn-Riester-Förderung meiner Meinung nach am Ziel vorbei. Sie wird auch den privaten Wohnungsbau in Deutschland kaum beflügeln.
mm.de: Wo sehen Sie die Alternative?
Herrmann: Die Eigenheimzulage ist nun einmal Vergangenheit, leider. Doch statt Wohn-Riester mit heiß gestrickter Nadel auf den Weg zu bringen, wäre es viel besser gewesen, den Menschen, die eine Immobilie modernisieren, bauen oder kaufen wollen, steuerlich attraktive Abschreibungen zu gewähren. Dann würden sich viel breitere Schichten daran beteiligen, die sofort investieren wollen und es auch können. Das hätte auch unmittelbar positive Auswirkungen auf den Wohnungsbau gehabt.
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