23.06.2008
Twitter GooglePlus Facebook

Altersvorsorge

"Wohn-Riester geht am Ziel vorbei"

Von Lutz Reiche

4. Teil: "Zusätzlich vorsorgen, sonst Finger davon lassen"

Herrmann: Muss der Wohn-Riester-Sparer die Immobilien aus beruflichen Gründen befristet vermieten, ist dies aus steuerrechtlicher Sicht unschädlich. Voraussetzung ist aber, dass der Vorsorgesparer beabsichtigt, die Immobilie selbst wieder zu bewohnen und dies spätestens mit dem 67. Lebensjahr tatsächlich auch tut. Wie hoch die Rückforderung des Fiskus ausfällt, hängt letztlich vom Einzelfall ab.

mm.de: Die Eigenheimrente versucht die private Altersvorsorge und die Immobilienfinanzierung zu verknüpfen. Zwei Ziele also - bleibt da in der Praxis nicht eines der beiden auf der Strecke?

Zur Großansicht

"Das in Steine und Erden gebundene Kapital kann sich nicht selbst verrenten." Karl-Heinz Herrmann ist gelernter Bankkaufmann, Steuerberater und Vorsorgeexperte. Die Steuerkanzlei Vilsmeier & Herrmann im bayerischen Dingolfing bei Landshut hat früh damit begonnen, ihre Kunden ganzheitlich zu beraten, was sie zwangsläufig zum Spezialgebiet der Vermögensbildung und Altersvorsorge führte. Kontakt unter www.vilsmeier-herrmann.de.
Herrmann: Ja, genau diese Gefahr sehe ich. Der Verbraucher muss sich beim Thema Altersvorsorge über eine Sache im Klaren sein. Benötigt er eine lebenslange Rente zur Deckung seiner Lebenshaltungskosten, dann sollte er ein Produkt wählen, das ihm auch eine lebenslange Rente garantiert. Das kann eine Immobilie in diesem Sinne nicht, das ist Vermögensbildung. Das in Steine und Erden gebundene Kapital kann sich nicht selbst verrenten. Es bewirkt vielmehr, dass dem Rentner oft deutlich weniger Liquidität zur Verfügung steht, als wenn er Miete bezahlen müsste.

mm.de: Kann die in der Ansparphase und im Alter eingesparte Miete diesen möglichen Liquiditätsmangel nicht ausgleichen?

Herrmann: Hier ist entscheidend, in welchem Alter der Verbraucher tatsächlich eine Immobilie baut oder kauft und die Miete einspart. Je früher er beginnt, desto besser wird es für ihn laufen.

mm.de: Wer also sollte die neue Wohnbauförderung mit Riester in Anspruch nehmen, für wen lohnt sich das wirklich?

Herrmann: Die eigentliche Riester-Rente sollte jeder in Anspruch nehmen, der Anspruch auf die Förderung hat. Bei der neuen Eigenheimrente gilt es, abzuwägen. Wohn-Riester ist eine gute Sache für alle, die bis zum Rentenalter die Wohnbaufinanzierung sicher zurückgezahlt haben. Eben weil die ersparten Schuldzinsen aus dem Riester-Vertrag in der Regel höher sind, als die mögliche Verzinsung bei einer Bank- oder Versicherungslösung.

Allerdings - und hier liegt das grundlegende Problem der neuen Eigenheimrente - werden nur Vermögende und Spitzenverdiener in der Lage sein, ihre Immobilie zu entschulden und zugleich zusätzliches Kapital für eine hinreichende Altersrente anzusparen. Wer dies nicht leisten kann, sollte tunlichst die Finger von Wohn-Riester lassen. Mit anderen Worten: Für Gering- und Durchschnittsverdiener geht die Wohn-Riester-Förderung meiner Meinung nach am Ziel vorbei. Sie wird auch den privaten Wohnungsbau in Deutschland kaum beflügeln.

mm.de: Wo sehen Sie die Alternative?

Herrmann: Die Eigenheimzulage ist nun einmal Vergangenheit, leider. Doch statt Wohn-Riester mit heiß gestrickter Nadel auf den Weg zu bringen, wäre es viel besser gewesen, den Menschen, die eine Immobilie modernisieren, bauen oder kaufen wollen, steuerlich attraktive Abschreibungen zu gewähren. Dann würden sich viel breitere Schichten daran beteiligen, die sofort investieren wollen und es auch können. Das hätte auch unmittelbar positive Auswirkungen auf den Wohnungsbau gehabt.

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

© manager magazin online 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH












Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service
Angebote von A bis ZAngebote von A-Z
Ihr persönliches DepotDepot
Twitter-FeedsTwitter-Feeds
manager magazin mobilmm mobil
Partnerangebote
Analysieren Sie online Ihren Standort im Vergleich zu den Besten mit CONTOR-REGIOContor-Regio:
Analysieren Sie
online Ihren Standort
Seminarmarkt: Tanken Sie KarrierewissenSeminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug?GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?
Handytarife: Finden Sie den passenden TarifHandytarife:
Finden Sie den passenden Tarif
Medführer: Finden Sie Ihren Arzt oder Ihre KlinikMedführer:
Finden Sie Ihren Arzt
oder Ihre Klinik
imedo Arztsuche: Ärzte, Therapeuten, Heilpraktiker und Apothekenimedo:
Ärzte, Heilpraktiker, Apotheken