10 Prozent vom Umsatz in Gefahr?
Korczaks Kritik richtet sich nicht allein gegen die Schufa, sondern gegen das Scoring an sich. Auch am derzeit diskutierten Entwurf für ein neues Bundesdatenschutzgesetz, mit dem das Innenministerium die Verbraucherrechte beim Thema Scoring verbessern will, hat der Experte einiges auszusetzen. "Es ist zwar Kritik aufgegriffen worden", so Korczak. "Die wesentlichen Punkte bleiben aber nach jetzigem Stand der Dinge ungeklärt."
Wichtigster Schwachpunkt nach seiner Meinung: Auch künftig können Scoring-Anbieter die Öffentlichkeit mit Verweis auf das Geschäftsgeheimnis darüber im Unklaren lassen, wie sie zu ihren Scoring-Werten kommen. Ebenso wird laut Korczak nicht definiert, wer Scoring nutzen darf und welcher Verwendungszweck für die Kennzahlen statthaft ist. Lediglich die geplante Einführung einer kostenlosen Eigenauskunft pro Jahr begrüßt der Fachmann ausdrücklich.
Diese Neuerung wiederum dürfte in Wiesbaden wenig Freude auslösen. Die Schufa erteilte allein im Jahr 2007 etwa 1,2 Millionen Eigenauskünfte. Bei einem Einzelpreis von 7,80 Euro machte das Unternehmen, das bundesweit eigenen Angaben zufolge 768 Mitarbeiter beschäftigt, damit im vergangenen Jahr mehr als 10 Prozent seiner Gesamtumsätze (89 Millionen Euro).
Und noch ein Problem hat die Schufa offenbar, das möglicherweise viel schwerer wiegt: Ihre Datenbank scheint trotz der schieren Masse an gespeicherten Informationen alles andere als vollständig zu sein. "Die Schuldner, die zu uns kommen, sind immer wieder überrascht, wie wenig über sie bei der Schufa bekannt ist", sagt Reiner Saleth, stellvertretender Leiter der zentralen Schuldnerberatung in Stuttgart, gegenüber manager-magazin.de.
Nach Angaben des Experten kommt es nicht selten vor, dass von 20 bestehenden Forderungen lediglich drei in der Schufa-Datenbank eingetragen sind. "Viele der Auskünfte, die wir zu sehen bekommen, zeichnen nicht annähernd ein realistisches Bild über die tatsächliche Verschuldungssituation der Personen", so sein Fazit.
Sollte Saleths Beobachtung auf die gesamte Datenbank der Schufa übertragbar sein, so wäre der Marktbedeutung des Unternehmens wohl ein Großteil ihrer Basis entzogen.
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