Von Kai Lange
Erst Alcoa, jetzt GE. Die US-Quartalssaison wird ruppig. Die US-Unternehmen dürften von Januar bis März durchschnittlich 12 Prozent weniger verdient haben als im ersten Quartal 2007, schätzt der Datenanbieter Thomson Financial. Besonders stark dürfte es Unternehmen aus dem Finanzsektor (minus 60 Prozent) und aus dem Bereich Konsumgüter (minus 12 Prozent) getroffen haben.
Der Aluminiumhersteller Alcoa
Das erste Quartal 2008 wird voraussichtlich das dritte Quartal in Folge sein, in dem die Gewinne der im S&P 500 notierten Unternehmen unter dem Strich zurückgehen. Schuld daran ist vor allem die Finanzbranche, für die Analysten erneute Abschreibungen in Milliardenhöhe erwarten. In der Technologie- und Versorgerbranche wird dagegen mit weiter steigenden Gewinnen gerechnet.
Erwartungen noch immer zu hoch
Am Montag wird der Konsumgüterhersteller Johnson & Johnson
einen Hinweis darauf geben, wie stark die Kreditkrise den US-Verbraucher verunsichert hat. Anschließend müssen Tech-Unternehmen wie Intel
, Ebay
und Google
ambitionierte Erwartungen erfüllen, obwohl bereits der Chiphersteller AMD
sinkende Umsätze gemeldet hat. Am kommenden Freitag dürfte dann der Baumaschinenhersteller Caterpillar
einen weiteren Beleg dafür liefern, wie vorsichtig Auftraggeber in der US-Baubranche inzwischen geworden sind. Bei den Quartalszahlen von Merrill Lynch
, J. P. Morgan und Citigroup
wird mit weiteren deftigen Abschreibungen gerechnet.
Dass die Finanzkrise Unternehmen weltweit in Mitleidenschaft zieht, haben Notenbank und Internationaler Währungsfonds (IWF) in dieser Woche unterstrichen. Die Finanzkrise könnte die weltweite Wirtschaft fast eine Billion Dollar kosten, rechnete der IWF in seinem jüngsten Bericht vor. Die US-Notenbank rechnet mit einer deutlich abkühlenden Konjunktur im ersten Halbjahr und schließt auch einen "längeren Abschwung" nicht aus: Der Abbau von zuletzt 80.000 Jobs und die jüngsten Einzelhandelsdaten weisen klar auf eine schrumpfende US-Wirtschaft hin.
Möglich, dass die USA bereits mitten in einer Rezession stecken. Die Erwartungen an die US-Unternehmen während der laufenden Quartalssaison sind entsprechend gesunken. Doch die Gewinnerwartungen könnten noch immer zu hoch sein: Dies gilt auch für Unternehmen im Dax
, denen weiter steigende Gewinne unterstellt werden.
© manager magazin online 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH