Von Grit Beecken
mm.de: Wie hart straft der Markt CSR-Verstöße?
Prätorius: Warren Buffet sagte: "Um ein Image zu ruinieren, reichen zehn Sekunden. Um es wieder aufzubauen, brauchen wir zehn Jahre." Deswegen ist Prävention auch so wichtig. CSR ist auch Risikomanagement, der verantwortungsbewusste Umgang mit Risiken.
mm.de: Kritiker führen immer wieder an, Unternehmen setzten CSR als Marketinginstrument ein, würden es nach außen jedoch als rein soziales Engagement verkaufen, da die Werbemaßnahme ansonsten keine Wirkung zeige. Ist diese Kritik berechtigt?
Prätorius: Solche Versuche hat es immer wieder gegeben. Sie werden aber langfristig nach meiner Überzeugung keinen Erfolg haben, auch wenn das heute mitunter suggeriert wird. Eine reine PR-getriebene CSR kann nicht glaubwürdig sein, weil es ihr an Substanz mangelt. Umgekehrt spricht aber nichts dagegen, eine überzeugende CSR- und Nachhaltigkeitspolitik auch entsprechend kommunikativ einzusetzen.
mm.de: Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die meisten Unternehmen sich nur so weit engagieren, wie es ihnen aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten notwendig erscheint. Die von CSR geforderte Gleichbehandlung von Ökonomie, Ökologie und Sozialem zeige sich in der Praxis nicht. Was ist Ihr Standpunkt dazu?
Prätorius: Ohne wirtschaftlichen Erfolg gibt es keine Nachhaltigkeit, weder im sozialen noch im ökologischen Verständnis – das ist die Wirkungsweise unseres Wirtschaftssystems. Doch gerade dieses System bringt als Innovationswettbewerb die Lösungen hervor, die wir für einen Pfad nachhaltiger Entwicklungen benötigen. Wir sind als Technologieentwickler Teil der Problemlösung. Ohne wirtschaftlichen Erfolg gibt es keine Arbeitsplatzsicherheit, kein soziales Engagement und keine regionale Strukturentwicklung. Daher können diese Aspekte nicht gegeneinander gestellt werden. Im Alltag sind die Abwägungen manchmal schwierig. Aber einer Entscheidung liegen stets mehrere Faktoren zugrunde, die sorgfältig abgewogen werden.
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