Von Grit Beecken
mm.de: Herr Prätorius, Sie verantworten bei Volkswagen die Themen Corporate Social Responsibility (CSR) und Nachhaltigkeit. Wie sollten Unternehmen diese Themen angehen und warum sind sie von Bedeutung?
Prätorius: Unternehmen kann es nicht gleichgültig sein, wie ihre Umgebung auf sie reagiert. Die Öffentlichkeit, die Kunden und zunehmend auch Investoren erwarten von einem Unternehmen verantwortungsbewusstes Handeln. Die Globalisierung ist heute im Vergleich zu den 90er Jahren ein Treiber für Klimaschutz und Ressourcenschonung, für nachhaltige Lösungen geworden. In diesem Prozess werden die Unternehmen vorne sein, die diese Chancen nutzen. Daraus folgt, dass CSR ein strategisches Thema ist, dessen Bedeutung eher zunehmen wird.
mm.de: Wird für CSR-Maßnahmen nicht Geld der Aktionäre ausgegeben, das an anderer Stelle den Unternehmensgewinn steigern könnte?
Prätorius: Unternehmen haben sich schon immer auch für soziale Projekte eingesetzt, und das ist auch gut so. Neu ist das Verständnis, CSR und Nachhaltigkeit eng an die ökonomischen Kernprozesse des Unternehmens, an die Produkt- und Wettbewerbsziele, zu binden. Zugespitzt formuliert: Statt Zufallsengagement kommt eine Systematik hinein. Des Weiteren können wir zeigen, dass ein gutes Abschneiden in den verschiedenen Ratings und Rankings den Unternehmenswert eher steigert als schmälert. Investitionen in nachhaltige Technologien, in hochqualifizierte Mitarbeiter und in ein attraktives Unternehmesprofil wirken unterm Strich eindeutig wertsteigernd und nicht wertvernichtend.
mm.de: In welchem Verhältnis sollten die Aufwendungen für CSR zum Gesamtgewinn stehen? Eine finanzielle Schieflage dient schließlich der Sache nicht.
Prätorius: Da brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Aber im Ernst: Da es noch keine verbindlichen Rechnungslegungsvorschriften gibt, ist eine Abgrenzung von CSR-Aufwendungen schwierig und im Unternehmensvergleich kaum aussagekräftig. Wir arbeiten derzeit an einem Informationssystem, das uns weiterbringen wird.
mm.de: Besteht ein Zusammenhang zwischen der finanziellen Performance eines Unternehmens und dessen sozialem Engagement?
Prätorius: Es ist evident, dass ein finanziell erfolgreiches und gesundes Unternehmen immer eher Möglichkeiten hat, sich sozial zu engagieren. Das ist die traditionelle Seite von CSR. Die wird übrigens auch von den Agenturen bei ihren Unternehmensprofilen erfasst. Zivilgesellschaftliches Engagement (Corporate Citizenship) ist ein wichtiger Reputationsfaktor.
mm.de: Was waren die Folgen, als Sie 2005 aus dem Dow Jones Sustainability Index entfernt wurden? Warum wollten Sie schnell wieder dort gelistet sein?
Prätorius: Der DJSI ist der bedeutendste internationale Nachhaltigkeitsindex, er hat sich durchgesetzt und wird von Investoren, zum Beispiel großen Pensionsfonds, zunehmend beachtet. Allein deswegen war es uns wichtig, dort schnell wieder gelistet zu werden. Aber für Volkswagen gehört es auch zu seinem Verständnis als Nachhaltigkeitspromoter dazu, in diesem Index vertreten zu sein.
mm.de: In welchen CSR-Indizes wird Volkswagen derzeit geführt?
Prätorius: Neben dem DJSI sind wir im FTSE4Good sowie im ASPI-Index. Des Weiteren sind wir gelistet bei Oekom Research und im DAX 30 von Scoris. Hier haben wir uns von Rang sechs auf vier verbessert. Unser Ziel ist es, in allen wichtigen Nachhaltigkeitsindizes vertreten zu sein.
© manager magazin online 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH