Von Arvid Kaiser und Lutz Reiche
Nebenwerte: Dubioses Gebaren
Das Schwarzbuch Börse ist in den vergangenen Jahren vor allem mit Berichten über Skandale im Neuen Markt bekannt geworden. Aktiengesellschaften, die aus dem Nichts entstanden, kein reales Geschäft betrieben und sich irgendwann zum Schaden der Anleger wieder auflösten - solche Geschichten sind inzwischen angesichts der Skandale bei Schwergewichten wie Siemens, Daimler oder Volkswagen in den Hintergrund gerückt.
Daraus ist jedoch nicht zu schließen, dass bei den Nebenwerten Ruhe eingekehrt wäre. Die SdK hat auch in der Schwarzbuch-Ausgabe 2007 beispielhaft einige Fälle zitiert, in denen die Aktionäre das Nachsehen hatten.
Darunter sind auch Altfälle der New Economy wie der Prozessfinanzierer Juragent
, der im vergangenen Jahr in das wenig regulierte Börsensegment Entry Standard aufgenommen wurde. Hier bemängelt die SdK nicht nur das Verhalten des Vorstandschefs Mirko Heinen, der auf der Hauptversammlung "Kaugummi kauend am Pult lümmelte und auf jede Nachfrage sichtlich genervt reagierte". Dubios finden die Autoren des Schwarzbuchs, dass die Firma, die Fonds auflegt, mit denen Gerichtskosten bestritten werden, eine Million Euro Kaution hinterlegte, damit ein Aufsichtsratsmitglied aus der Haft freikam.
Vor allem aber "wackelt das gesamte Geschäftsmodell", weil zu viele Prozesse mit Juragent-Mitteln verloren gehen. Schon 2006 gab es nur dank Rückstellungen ein positives Ergebnis, "rein operativ wurde nichts verdient", bemerkt die SdK süffisant.
Im ersten Halbjahr 2007 fiel gar ein Verlust von drei Millionen Euro bei einem Umsatz von nur 1,8 Millionen Euro an. Fazit: "Ein solches Unternehmen hat am Kapitalmarkt eigentlich nichts zu suchen."
Etwas größer fällt der Schaden bei der Druckholding Arquana
aus. Die Beteiligungsgesellschaft Arques
hatte das schnell wachsende Unternehmen Ende 2005 an die Börse gebracht und sich in zwei weiteren Schritten, zuletzt Mitte Dezember 2007, von allen Anteilen getrennt - "gerade noch rechtzeitig", schreibt die SdK. Denn nacheinander meldeten sechs Tochtergesellschaften und schließlich auch die eigenkapitalschwache Holding selbst Insolvenz an.
Der Aktienkurs stürzte von 25 Euro auf wenige Cent ab. Den Schaden haben neben der britischen Firma Printec, die Arques ein 29,9-Prozent-Paket abkaufte, auch Kunden großer Fondsgesellschaften wie Cominvest, Dit oder Universal, die ebenfalls größere Anteile gekauft hatten.
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