Hamburg - Wenn Inder heiraten, geht es meist farbenfroh zu. Bunte Kleider, viel Schmuck. Vor allem Gold
. Arm- und Fußreifen, Ketten, Ohrringe - zur Trauung erscheint die Braut meist über und über behangen mit dem edlen Metall. Es ist ihre Mitgift, einen großen Teil davon hat sie in der Regel bereits von der eigenen Mutter übernommen.
"Die Verehrung der Inder für Gold hat in allererster Linie handfeste wirtschaftliche Gründe", erläutert Narendra Sharma, Lehrbeauftragter an der Abteilung für Kultur und Geschichte Indiens und Tibets der Universität Hamburg. "Kulturelle oder gar religiöse Hintergründe spielen dabei kaum eine Rolle." Im Klartext: Wer auf dem Subkontinent eine Tochter hat, muss sie mit einer ausreichenden Aussteuer austatten. Sonst ist es in dem Land, in dem die arrangierte Hochzeit nach wie vor die Regel ist, fast unmöglich einen wünschenswerten Bräutigam zu finden. Die Mitgift wird dem jungen Paar als Notgroschen für schlechte Zeiten mit auf den Weg gegeben. "Das ist seit Jahrhunderten üblich", sagt Sharma. "Schließlich entwickelt sich erst seit etwa 20 bis 30 Jahren ein System der sozialen Absicherung in Indien."
Ohne Goldmitgift kein angemessener Ehemann
Die Folge: Zusätzlich zu dem, was die Dame des Hauses bereits mit in die Ehe gebracht hat, beginnen viele indische Eltern schon von der Geburt der Tochter an, Schmuck zu horten. "Grundsätzlich gilt das für alle Inder", sagt Sharma. "Allerdings ist das Verlangen nach Gold nicht bei allen gleichermaßen stark ausgeprägt - und die Möglichkeit, das Edelmetall zu erwerben schon gar nicht." Unterschiede machen nach Auskunft des Experten vor allem die wirtschaftlichen Verhältnisse. So bleibt es bei den ärmsten unter den Indern häufig bei der Sehnsucht nach dem edlen Metall. Ihnen fehlen schlicht die Mittel, um ihre Träume Wirklichkeit werden zu lassen.
Auch zwischen den Glaubensrichtungen bestehen Unterschiede in der Wertschätzung. "Auf einer Skala von 1 bis 10 stehen die Hindus, die mit etwa 80 Prozent den größten Anteil an der indischen Bevölkerung haben, ganz oben", sagt der gebürtige Inder und Hindu Sharma. "Sie erhalten eine 10, bei ihnen ist also das Verlangen nach Gold am stärksten." Es folgen die etwa 15 Prozent Moslems sowie, mit einigem Abstand, die Christen, die rund 4 Prozent der indischen Bevölkerung ausmachen.
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