Von Arvid Kaiser
mm.de: Der Preis müsste also noch erheblich steigen, und dann wären wieder Reserven zu mobilisieren?
Weinberg: Genau. Die Kosten sind so stark gestiegen, dass erst bei sehr viel höheren Preisen die Produktion stark angekurbelt würde. Man muss noch tiefer graben. Man fördert nicht nur wie früher bei einem Goldanteil von 5 Gramm pro Tonne Erz, man macht es auch bei 0,5 Gramm. Oder aber die Reserven kommen bei überhaupt keinem Preis mehr, weil die Minen wirklich ausgeschöpft sind.
Wichtig ist aber auch zu wissen, dass neben den etablierten Produzenten wie Südafrika, USA, Kanada, Australien, deren Produktion zurückgeht, ein neuer Akteur auftritt: China hat sich in wenigen Jahren zum zweitwichtigsten Produzenten entwickelt. Bei den anderen ist die Produktion geschrumpft, in China sehr stark gestiegen. Die Chinesen werden höchstwahrscheinlich in den nächsten zwei Jahren Südafrika den ersten Rang ablaufen.
mm.de: Aber sie können nicht das ausgleichen, was die anderen weniger auf den Markt liefern?
Weinberg: Nein. Aber Gold sollte auch nicht als Rohstoff angesehen werden. Viele Investmenthäuser und auch wir behandeln Gold als Währung.
mm.de: Zu einer Währung gehört aber auch eine Zentralbank oder eine andere Instanz, die Geld herausgeben kann, um die Menge den Bedürfnissen des Markts anzupassen. Es gibt jedoch Szenarien, dass in 30 bis 40 Jahren kaum noch neues Gold gefördert wird. Dann wäre nur noch das bereits geförderte Metall verfügbar.
Weinberg: Ich kaufe diese These nicht. Die Ressourcen werden uns auch in 100 Jahren nicht ausgehen. Die Kosten werden weiter steigen und damit auch die Preise, aber Gold, Öl und Gas wird auch für unsere Nachkommen noch ausreichen. Darüber sollte man sich keine Sorgen machen. So etwas wie Peak Gold wird es meines Erachtens nicht geben. Was es aber gibt, sind fehlerhafte Investmententscheidungen.
mm.de: Wenn der Preis langfristig steigt, ist Gold nicht mehr nur als Inflationsschutz interessant, sondern auch als Investment mit Blick auf die Wertsteigerung.
Weinberg: Natürlich, es ist auch aus spekulativen Gründen interessant. Hauptsächlich wird es zu Schutzzwecken als Hedging eingesetzt, oder in Gold wird die überschüssige Liquidität für einige Zeit geparkt. Aber die meisten Privatanleger kaufen Gold mit der Hoffnung, dass der Goldpreis steigt. Das ist auch nicht so abwegig.
mm.de: Lässt sich bei dem großen Einfluss der Spekulation so etwas wie ein fairer Wert ermitteln, der uns sagt, ob Gold bei einem bestimmten Preis über- oder unterbewertet ist?
Weinberg: Nein, das kann man so gut wie gar nicht. Aber man kann vergleichen mit den Preisen der Vergangenheit. Man kann 30 Jahre zurückgehen und die Preise um die Inflation bereinigen.
mm.de: Wie hoch wäre denn der Rekordstand von 1980, ausgedrückt in heutigen Preisen?
Weinberg: Wenn wir die damals erreichten 871 Dollar um die Inflation bereinigen, entspräche das einem jetzigen Preis von ungefähr 2000 Dollar.
mm.de: Das heißt, es ist noch Luft nach oben?
Weinberg: Eine Übertreibung, eine Euphorie sehen wir am Goldmarkt noch nicht.
© manager magazin Online 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH