Von Arvid Kaiser
mm.de: Es heißt, die Asiaten dominieren den Markt für Goldschmuck.
Weinberg: Ja, im Februar läuft die Hochzeitssaison in Indien an, und das spielt eine große Rolle für den jetzigen Goldpreis. An einem Tag finden bis zu 10.000 Hochzeiten statt, da wird sehr viel Gold nachgefragt. Die Asiaten und besonders die Inder haben einen ganz anderen Bezug zu Gold als wir.
mm.de: Auf der anderen Seite wächst auch das Angebot. Die Europäische Zentralbank hat jüngst einen großen Teil ihrer Vorräte verkauft.
Weinberg: Ja, aber das ist relativ zu sehen. Was die Zentralbanken bisher verkauft haben, ist weit weniger, als man zuvor angedeutet hat. Vor einigen Jahren haben sich die Zentralbanken geeinigt, dass die Europäer nicht mehr als 500 Tonnen im Jahr verkaufen, damit der Preis nicht abstürzt. Jetzt hat sich der Preis aber mehr als verdreifacht und die Zentralbanken können oder wollen ihre Verkaufsquoten nicht erfüllen.
Die Verkäufe werden sehr groß angekündigt, um den Markt zu beruhigen. Eine Zentralbank ist nicht an einem steigenden Goldpreis interessiert. Gold macht zwar einen Anteil ihrer Reserven aus, der Preis ist aber auch ein Indikator für Inflation, die Zentralbanken bekämpfen sollen. Das wäre ein Nachweis für schlechte Arbeit. Und Gold ist auch eine Alternativwährung.
mm.de: Wie wird sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage langfristig entwickeln? Viele Goldbullen argumentieren, dass die Förderung dauerhaft zurückgeht und die Vorräte irgendwann erschöpft sein werden. Sehen Sie eine Angebotslücke in den kommenden Jahren?
Weinberg: Natürlich. Im vergangenen Jahr haben viele damit gerechnet, dass das Angebot wegen des hohen Preises stark steigen würde. Das ist aber nicht passiert. Wir haben von Anfang an gesagt, dass diese Schätzungen nicht zutreffen. Auch für dieses Jahr erwartet man eine steigende Produktion. Wir glauben, dass die Produktion eher stagnieren wird, obwohl die Nachfrage sich erhöht.
Besonders beim größten Produzenten Südafrika wird die Produktion eher rückläufig sein. Es ist kein Wunder, dass Gold aus Tiefen von 4000 Metern auch bei diesen Preisen nicht profitabel abgebaut werden kann. Tatsächlich bringen viele Minen in Südafrika auch bei dem jetzigen Preisniveau keinen Gewinn.
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