Von Arvid Kaiser
mm.de: Herr Weinberg, am Mittwoch hat der Goldpreis
mit mehr als 890 Dollar je Feinunze den bisherigen Rekord vom 21. Januar 1980
gebrochen. Wer treibt den Preis so hoch?
Weinberg: Hauptsächlich sind das die Anleger, die vermehrt nach den börsennotierten Goldfonds nachfragen, den Exchange Traded Funds (ETFs).
mm.de: Heißt das, dies ist die Dienstmädchenhausse - nach den strategischen institutionellen Investoren steigen nun also auch die Privatanleger als letzte ein?
Weinberg: Noch nicht die breite Masse, aber zunehmend. Auch beim Öl war das Interesse bei einem Stand von 30 Dollar bei weitem nicht so hoch wie jetzt bei 100 Dollar.
mm.de: Kommen die Privatanleger zu spät?
Weinberg: Nein, ich glaube nicht, dass das zu spät ist. Ich glaube, dass der Preis in den nächsten Monaten durchaus über 900 Dollar hinaus steigen wird. Obwohl es im zweiten und dritten Quartal wahrscheinlich zu einer Korrektur kommen wird, weil im Moment auch der Optimismus sehr hoch ist, glaube ich, dass der Preis sich spätestens im vierten Quartal bei 900 Dollar stabilisieren wird. Auch ein Preis von 1000 Dollar wäre in diesem Jahr nicht auszuschließen.
mm.de: Optimismus mit Blick auf Gold heißt umgekehrt Pessimismus mit Blick auf
Inflation, Öl
, Konjunktur und Dollar
?
Weinberg: Nicht unbedingt, aber das ist auch ein Grund für die steigende Nachfrage.
mm.de: Wie sieht es fundamental auf dem Goldmarkt aus? Spielt das Verhältnis von Angebot und beispielsweise industrieller Nachfrage überhaupt eine Rolle?
Weinberg: Natürlich. Erstens bilden die Investoren, die jetzt hinzukommen, auch eine zusätzliche Nachfrage. Was früher über Optionen oder andere Goldderivate, die keinen physischen Bezug hatten, abgebildet wurde, läuft jetzt über Gold-ETFs. Aber diese Gold-ETFs fragen tatsächlich physisches Gold nach. Das heißt, das ist jetzt ein wichtiger Nachfragefaktor. Zusätzlich zur sowieso starken Nachfrage, die in den letzten Jahren mit zunehmendem Wohlstand besonders in Asien gestiegen ist. Mit steigender Konjunktur hat auch die Nachfrage in der Elektronikbranche zugenommen.
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