Mittwoch, 8. Februar 2012, 16:37 Uhr

manager magazin



29.11.2007
 

Steuersparmodelle

Wenn der Fiskus nachkartet

Von Christoph Rottwilm

Das Hollywood-Kino, das hierzulande per Filmfonds einst verkauft wurde, mutiert zusehends zur unschönen Daily Soap. Reihenweise nimmt die Finanzverwaltung die Steuersparmodelle nachträglich hoch. Aus Einzelfällen ist bereits ein branchenweites Problem geworden. Zehntausende Anleger fragen sich jetzt, wen es als Nächstes trifft.

Hamburg - Viele Finanzvertriebe denken mit Wehmut an die schöne Zeit zurück. Landauf, landab verdienten sie sich jahrelang eine goldene Nase mit Filmfonds. Besonders um die Weihnachtszeit, wenn bei Anlegern auch steuerlich der Jahresrückblick anstand, florierte das Geschäft mit den beliebten Steuersparmodellen.

Inzwischen ist das vorbei. Seit 2005 kann die Einkommensteuerlast mit Fonds kaum noch gesenkt werden. Neue Filmfonds werden seitdem so gut wie nicht mehr verkauft. Das heißt aber nicht, dass sich mit den Anlageprodukten kein Geld mehr verdienen ließe. Nur sind es heute nicht mehr die Fondsverkäufer, die das Geschäft machen. An ihre Stelle sind nun Anlegeranwälte getreten. Zu Hunderten suchen Filmfondsinvestoren derzeit rechtlichen Beistand.

Die Anleger fürchten um bereits sicher geglaubte Steuerersparnisse. Eine berechtigte Sorge, denn was manager-magazin.de schon vor Wochen prophezeite, scheint sich mehr und mehr zu bewahrheiten: Die Finanzverwaltung rollt das Thema Steuernsparen mit Medienfonds noch einmal komplett auf.

Dabei stehen beträchtliche Summen auf dem Spiel. Insgesamt wurden seit 1997 laut Branchenbeobachter Stefan Loipfinger mehr als 14 Milliarden Euro Eigenkapital in Medienfonds eingezahlt. Die derzeit besonders im Fokus stehenden so genannten leasingähnlichen Beteiligungsmodelle, bei denen Zahlungsströme über lang laufende Lizenzverträge weitgehend abgesichert wurden, kommen auf ein Volumen von mindestens 5,5 Milliarden Euro. Es geht also um entgangene Steuereinnahmen in Milliardenhöhe.

Um daran zu kommen, knöpft sich der Fiskus derzeit offenbar nacheinander die Vertreter der Branche vor, von der er sich jahrelang trickreich an der Nase herumgeführt wähnte. Zuletzt rückten in der vergangenen Woche Steuerfahnder beim Münchener Emissionshaus Hannover Leasing an.

Die Geschäftsräume der Helaba-Tochter - einer der platzierungsstärksten Fondsemittenten überhaupt - wurden ebenso durchsucht wie Räumlichkeiten beteiligter Banken und Berater sowie die Privatwohnungen von Geschäftsführern. Nach Angaben von Hannover Leasing geht es um steuerliche Ermittlungen bei sieben Filmfonds aus den Jahren 2000 bis 2002. Der Vorwurf laut Münchener Staatsanwaltschaft: Steuerhinterziehung "in mehrstelliger Millionenhöhe".

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