Von Lutz Reiche
mm.de: Kosten allein bestimmen nicht die Leistungsfähigkeit eines Versicherers. Müsste eine Verordnung, die auf mehr Transparenz abzielt, daher nicht auch die Gewinnbeteiligungen der Branche stärker ins Visier nehmen?
Goecke: In der Tat. Die Verordnung blickt zu wenig auf die Leistungsseite eines Versicherers. Das Entscheidende ist doch, was der Anbieter seinen Kunden am Ende auszahlt. Da spielt die Überschussbeteiligung eine große Rolle - und hier fehlt es meiner Einschätzung nach an Transparenz.
Woher kommen die Überschüsse im Detail? Wo macht der Versicherer eventuell Verluste? Zu diesen Fragen erhält der Laie, der der Kunde in der Regel nun 'mal ist, kaum Informationen. Mehr Wettbewerb durch mehr Informationen auch an dieser Stelle halte ich für möglich und für hilfreich.
mm.de: Sterblichkeitsgewinne gelten nach den Zinsen aus der Kapitalanlage als wichtigste Erlösquelle der Lebensversicherer. Der Kunde erfährt darüber nichts. Ließe sich die Branche zum Beispiel in diesem Punkt zu mehr Offenheit bewegen?
Goecke: Das weiß ich nicht. Wenn sich Verbraucher dafür interessieren und diese oder andere Gewinnquellen in ihrer Wahrnehmung eine größere Rolle spielen, kann das dem Wettbewerb nur förderlich sein. Grundsätzlich ist der Kunde an allen Gewinnen zu beteiligen. Eine prozentuale Vorgabe gibt es aber lediglich bei den Zinsgewinnen. Bei anderen Erlösquellen wie Kosten- oder Risikogewinnen liegt es primär im Ermessen der Gesellschaften, wie stark sie ihre Kunden daran beteiligen. Zwar entfaltet der Markt hier einen gewissen Druck auf die Anbieter, weil sie mit einer attraktiven Gewinnbeteiligung überzeugen wollen. Doch sollte sich hier mehr bewegen, halte ich mehr Wettbewerb und mehr Transparenz für angebracht.
mm.de: Wie werden die Versicherer nun auf die erhöhten Transparenzanforderungen reagieren, wie sich das Geschäft, wie vielleicht auch die Produkte verändern?
Goecke: Wenn die Versicherer künftig ihre Kosten ausweisen müssen, werden sie hier sorgfältiger hinschauen und ihre Kostenmodelle anpassen. Wie diese Modelle aussehen können, ist noch völlig unklar. Zugleich wird die Branche nach meiner Einschätzung ihr Geschäft mit fondsgebundenen Policen verstärken, deren Kostentransparenz ich indes für stark verbesserungswürdig halte. Die Garantiekonstruktionen dieser Policen verschlingen ein enormes Geld und sind für den Kunden kaum durchschaubar. Im Ergebnis werden wir also sehr wahrscheinlich zahlreiche neue Produkte erleben, die noch viel intransparenter sind.
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