Frankfurt am Main - Immer mehr Anleger investieren in grüne Geldanlagen. Allein im ersten Halbjahr 2007 ist das Gesamtvolumen ethischer und nachhaltiger Fonds um rund 43 Prozent auf 19,1 Milliarden Euro gestiegen, wie der Branchendienst Ecoreporter berichtet. Das größte Plus erzielten dabei Aktienfonds, die ihr Volumen auf rund 15 Milliarden Euro steigern konnten. Damit setzt sich der Boom bei grünen Geldanlagen weiter fort.
War vor zehn Jahren gerade einmal ein Dutzend Fonds erhältlich, ist das Angebot inzwischen auf über 100 Produkte gewachsen. Bei der Rendite sind die ökologisch ausgerichteten Fonds durchaus konkurrenzfähig. So erzielten Aktienfonds 2006 im Schnitt ein Plus von 7,5 Prozent und damit nur unwesentlich weniger als konventionelle weltweit anlegende Fonds, die nach Angaben des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI) im Schnitt ein Plus von 9,3 Prozent erzielten.
Besser schnitten nachhaltige Rentenfonds mit einem Plus von 0,9 Prozent ab (konventionelle internationale Rentenfonds: minus 2,6 Prozent) und Mischfonds lagen mit 6,0 Prozent gleichauf mit konventionellen Produkten. Und der Natur Aktien Index (NAI), der 30 internationale ökologisch wirtschaftende Unternehmen beinhaltet, ist in den vergangenen zwölf Monaten von 4.100 auf über 5.200 Punkte gestiegen.
Am begehrtesten sind derzeit Erneuerbare-Energie-Fonds, die 2006 eine Durchschnittsrendite von 17,2 Prozent erzielten und ihr Vermögen im ersten Halbjahr 2007 auf über 4,5 Milliarden Euro nahezu verdoppeln konnten. Derzeit sind sechs solcher Fonds in Deutschland erhältlich. Allerdings ist es für Anleger nicht ratsam, einfach blind zuzugreifen. "Man sollte Fonds bevorzugen, die schon länger am Markt sind und deren Qualität man kennt. Weltweit anlegende Fonds eignen sich als Basisinvestment", sagt Karin Baur vom Magazin "Finanztest" der Stiftung Warentest.
Allerdings sind die Kriterien dafür, was ökologisch, ethisch und sozial ist, bei jedem Ökofonds-Anbieter anders, wie Baur betont. So schließen einige Anbieter auch Öl-, Luftfahrt- und Minengesellschaften nicht aus. Und in einigen Klimafonds gibt es sogar Unternehmen, die ihr Geld mit Atomstrom verdienen. Dafür sind bei anderen Gesellschaften Firmen, deren Produkte die Umwelt schädigen oder mit Atomkraft zu tun haben, grundsätzlich tabu.
Unabhängig davon dürfte der Boom der Ökoanlagen weiter anhalten, und auch die Banken spüren die steigende Nachfrage, wie eine Umfrage der Fondsgesellschaft Robeco bei 350 Anlageberatern ergab. Für rund 54 Prozent haben grüne Geldanlagen bereits jetzt eine große Bedeutung beim Absatz von Finanzprodukten. Weitere 24 Prozent meinen, dass die Nachfrage künftig steigt, und nur 14 Prozent glauben nicht an eine große Bedeutung dieser Anlagen.
Dass das Thema von Bedeutung ist, zeigt auch die Deutsche Börse
, die im Juni einen ÖkoDax mit zehn Titeln aus dem Bereich erneuerbarer Energien eingeführt hat. Grün ist aber nicht auch automatisch gut: Grundsätzlich sollten Anleger Öko-Anlagen behandeln wie andere Produkte auch. "Nachhaltig ist eine Geldanlage nur, wenn sie außer ökologischen, ethischen und sozialen auch ökonomische Ansprüche erfüllt. Sie muss sich lohnen", betont Baur.
Manfred Rolfsmeier, ap
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