13.07.2007
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Geldanlage

Russisches Roulette

Von Arne Gottschalck

3. Teil: Wachsende Auswahl

Wachsende Auswahl

Dazu kommt ein Weiteres. Bislang profitierte das Land mit seinen Rohstoffvorkommen von den steigenden Preisen für Öl und Gas. Und zwar fast nur davon, Unternehmen außerhalb dieses Sektors gab es nicht. Doch das scheint sich nun zu ändern, beobachtet Fondsmanagerin Millendorfer. "Das generelle Russland-Exposure ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen, da der russische Aktienmarkt aufgrund einer Vielzahl von Börsengängen und Kapitalerhöhungen einen immer wichtigeren Bestandteil im osteuropäischen wie auch im globalen Emerging-Markets-Kontext darstellt." Das sieht man auch bei anderen Fondsgesellschaften so. "Die heimische Wirtschaft wächst stärker als erwartet, schon weil der Binnenkonsum anzieht. Da Russlands Wirtschaft nun also weitestgehend auf dem heimischen Konsumenten und der Investmentnachfrage beruht, ist die Wirtschaft recht unabhängig von externen Schocks", urteilt Allan Conway, der bei Schroders die Aktien der Emerging Markets verantwortet.

Russische Nacht: Erhellt durch den Rohstoffreichtum
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DDP

Russische Nacht: Erhellt durch den Rohstoffreichtum

Auf der einen Seite der Rohstoffreichtum und eine langsam auf breiteren Füßen stehende Wirtschaft. Auf der anderen Seite der starke politische Einfluss auf die Wirtschaft, der das Investieren etwa unberechenbar macht. Wird das Russland-Investment zum russischen Roulette? Vermutlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Und so siegt im Zweifel die pragmatische Einstellung. Sean Taylor von GAM zum Beispiel kalkuliert, dass bereits ein Großteil der politischen Geräuschkulisse in die Aktienkurse eingeflossen sei und russische Aktien im Vergleich zu anderen Emerging-Markets-Aktien inzwischen günstig sind. Auch Russland-Skeptiker Glen Finegan scheint nun wieder Chancen in Russland zu sehen. Jüngst kaufte First State mit dem Global Emerging Markets Leaders Fund Aktien von Pharmstandard, ein Pharmaunternehmen. Mit dem Global Emerging Markets Fund kaufte man im Mai Aktien von Lukoil Chart zeigen. Bei Schroders wird Russland in den neuen Bric-Fonds übergewichtet - anders als zum Beispiel Indien. "Das Wirtschaftswachstum ist überraschend und die Bewertungen weitestgehend vernünftig", so Conway.

Das gleiche Bild bei Raiffeisen. "Während das Exposure unseres Fonds in Russland vor drei Jahren gut 40 Prozent entsprach, sind mittlerweile bereits mehr als 50 Prozent unserer Osteuropa-Aktienpositionen in diesem Land veranlagt", so Millendorfer. Zumal die Alternativen auch rar gesät sind. Kaum ein anderes Land weltweit kann es mit dem Rohstoffreichtum Russlands aufnehmen, geschweige denn in Osteuropa. Einzig Kasachstan wird als das neue Russland gehandelt. "In Sachen Rohstoffen ist das tatsächlich der Fall. Aber Kasachstan hat keine politischen Strukturen und wird von einem Präsidenten auf Lebenszeit verwaltet", sagt First-State-Mann Finegan. "Das macht es etwas schwierig, da eine langfristige Perspektive zu sehen."

Es bleibt Anlegern also nur, das russische Risiko in Kauf zu nehmen. Oder es zu lassen. Osteuropa-Fondsmanagern fällt die Wahl leicht - ihr Mandat zwingt sie, das Geld der Anleger in Osteuropa zu investieren. Und da kommen sie schon allein aufgrund der Größe kaum um das Land herum. Russland selbst zeigt derzeit daher auch gern sein selbstbewusstes Gesicht. "Wir brauchen mehrere Finanzzentren und Währungsreserven", soll Putin auf einem Treffen in Petersburg gesagt haben. Man muss nicht dreimal raten, um herauszufinden, welches Land und welche Währung er damit meint.

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