Von Karsten Stumm
Schwache Versicherungen
Tatsächlich werfen die besten Ausbildungsversicherungen im Test derzeit nur 3,5 Prozent Rendite pro Jahr ab. Manche Direktversicherer bringen zwar ein wenig mehr, doch in der Endabrechnung spielt das kaum eine Rolle. Denn sollte die Versicherung ausgezahlt werden, bevor die Eltern 60 Jahre alt sind, müssen sie die Altvorderen mit ihrem persönlichen Steuersatz versteuern. Da das aber die Regel sein dürfte, rutscht die Rendite in vielen Fällen so oder so in den Keller.
Die mickrige Rendite kommt allerdings nicht von ungefähr: Mit dem Abschluss einer Ausbildungsversicherung sichern Eltern ihrem Nachwuchs einen umfassenden Finanzschutz, der eben seinen Preis hat.
Dazu zählt beispielsweise, dass die fixierte Summe auf jeden Fall am Ende der Sparzeit ausgezahlt wird. Sollten die Eltern etwa während der Sparzeit schlimmstenfalls ums Leben kommen, zum Beispiel bei einem Autounfall, erhält der Nachwuchs die komplette Summe dennoch - inklusive womöglich aufgelaufener Überschüsse - spätestens zu seinem Ausbildungsbeginn ausgezahlt.
Doch genau dieser Zusatzschutz vermiest vor allem Eltern jenseits des 35. Lebensjahres den Abschluss einer solchen Versicherung. Denn die Assekuranzen lassen sich den Todesfallschutz ihrer Versicherungskunden teuer bezahlen. Je älter der Versicherungskunde beim Abschluss der Police ist, desto tiefer greifen sie ihm in die Tasche. Wer aber selbst eine aufwändige und langwierige Ausbildung absolviert hat, kann in der Regel nicht gleichzeitig früh eine Familie gründen. Bereits heute sind Mütter in Deutschland bei der Geburt ihres ersten Kindes im Schnitt älter als 30 Jahre, berichtet das Statistische Bundesamt. Tendenz: steigend. Mit steigendem Bildungsniveau werden Ausbildungsversicherungen deshalb für immer mehr Familien teurer, sagen Verbraucherschützer.
Manch weiteren Nachteil der Ausbildungsversicherung bemerken Eltern dagegen oft erst, wenn die Versicherung längst abgeschlossen ist. Einzahlungen außer der Reihe beispielsweise sind bei solchen Verträgen nicht vorgesehen. Stecken Oma und Opa dem Kleinen also hin und wieder ein paar Euro zu, kann das Geld nicht in die Ausbildungsversicherung fließen. Und wenn das Angesparte früher als geplant ausgezahlt werden soll, fallen dafür sogar Gebühren an.
"Der sogenannte Rückkaufswert der Police liegt in jedem Fall unter der angegebenen Ablaufleistung, in den ersten drei Jahren teilweise sogar unter den tatsächlich eingezahlten Beiträgen", sagt Finanzexperte Horst Biallo.
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