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23.05.2007
 

Börse Asien

Mitte aus dem Gleichgewicht

Von Karsten Stumm

In China ist die Börsenbegeisterung ausgebrochen. Ob Bauer oder Hausfrau, derzeit scheint jeder Chinese sein Geld in den Aktienmarkt des Landes zu stecken - und damit die weltweit größte Spekulationsblase mit anzutreiben. Experten fürchten, dass ihr Ende kurz bevorsteht. Die Folgen wären selbst in Deutschland zu spüren.

Hamburg - Manchmal wissen die Chinesen nicht, was sie von diesen Deutschen halten sollen. Warum nur verkaufen viele Bundesbürger im größten Börsenaufschwung seit Jahren massenweise Aktienfondsanteile, wie jetzt erst wieder der Fondslobbyverband Investment und Asset Management bestätigen musste?

Börse Shanghai: Euphorische Chinesen treiben den Aktienmarkt ihres Landes womöglich zu heftig an
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DPA

Börse Shanghai: Euphorische Chinesen treiben den Aktienmarkt ihres Landes womöglich zu heftig an

Chinesen kann das nicht passieren. Sie sind dabei, wenn es abgeht - und produzieren mit ihrer milliardenfachen Börseneuphorie die vielleicht spektakulärste und gefährlichste Aktienblase seit vielen Jahren. Denn in Asiens Riesenreich glaubt derzeit offenbar jedermann an der Börse sei Geld zu verdienen, egal welche Titel er auch nur kaufe. Hauptsache, man hat welche. Irgendwelche. Sogar die Regierung denkt darüber nach, einzusteigen - und will angeblich drei Milliarden Dollar in Private Equity aus dem Hause Blackstone investieren.

Der Eindruck des nationalen Börsentaumels kann entstehen, denn die Kurssteigerungen an Chinas Börsen scheinen keine Grenzen zu kennen. Auf dem größten Aktienmarkt des Landes in Shanghai stieg der Composite-Index seit Januar 2006 von rund 1100 auf zuletzt 4270 Punkte - das ist Jahresrekord. Allein in den ersten Monaten des laufenden Jahres ging es um 85 Prozent in die Höhe. Kaum anders zudem das Bild an der Börse in Shenzhen, dem zweitgrößten Handelsplatz der Volksrepublik. Jetzt allerdings wird die Sache langsam selbst manchen Chinesen zu heiß.

Regierungschef Wen Jiabao mahnte zuletzt mehrmals, die Bürger sollten vorsichtig mit ihren Ersparnissen sein und nicht all ihr Geld in den Aktienmarkt zu stecken. Und Fang Xinghai, der ehemalige Vizechef der Börse in Shanghai, riet den Chinesen via Fernsehen dazu, genau das Gegenteil von dem zu tun, was derzeit offenbar jedermann macht - Aktien kaufen. "Ich denke, Sie sollten sich aus diesem Markt verabschieden", sagt Xinghai.

Genau das aber wollen viele Chinesen derzeit überhaupt nicht. Rund eine Million neue Aktiendepots wurden zeitweise pro Woche in China eröffnet, schätzen Wirtschaftsforscher. "Leute aus allen Gesellschaftsschichten kaufen sich in den Aktienmarkt ein, egal ob sie etwas davon verstehen oder nicht", kommentiert die Pekinger Abendzeitung zuletzt. Und die Investmentbank Goldman Sachs ergänzt: "Das Risiko einer zu großen Markteuphorie steigt."

"Deshalb gibt es die Sorge, dass sich immer schneller und schneller eine Spekulationsblase bildet", sagt auch Wang Qian, Analyst in der Hongkonger Filiale von JP Morgan Chase.

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