Von Arvid Kaiser
Der zweifache Fluch des Booms
Selbst Macquarie musste das in Rostock erleben. Die gemeinsam mit dem französischen Baukonzern Bouygues
errichtete Warnowquerung, die erste privat finanzierte Straße in Deutschland, geriet zum Flop: Seit der Eröffnung 2003 floss längst nicht so viel Verkehr wie erwartet durch den Tunnel, entsprechend bescheiden blieben die Mauteinnahmen. Das Gleiche geschah zwei Jahre später den deutschen Baukonzernen Hochtief
und Bilfinger Berger
mit dem Herrentunnel unter der Trave in Lübeck.
Die Einnahmen aus der Lkw-Maut blieben - zusätzlich zum verkorksten Start - deutlich hinter den Erwartungen zurück. Glück für Toll-Collect-Eigner Deutsche Telekom
Das derzeit größte Verkehrsprojekt in Deutschland, den Flughafen Berlin Brandenburg International, baut die öffentliche Hand nun allein. Nach jahrelangem Gerangel erschien es Bund und Ländern günstiger, das Konsortium um die Immobilienfirma IVG
und Hochtief auszuzahlen, als das Kreditrisiko zu übernehmen.
PPPs funktionieren eher im kleinen Rahmen. In den meisten Fällen geht es um maximal zweistellige Millionenbeträge, beispielsweise den Bau von Schulgebäuden. In dieser Größenordnung lohnt sich aber für Fonds, die Milliarden von privaten und institutionellen Investoren verwalten, der Einstieg nicht.
Vielleicht ist deshalb die Resonanz auf das Vorhaben der Bundesregierung so bescheiden, mit der Neufassung des Investmentgesetzes im Herbst PPP-Fonds einzuführen. Die Fonds seien "ein willkommenes Vehikel, um privates Kapital durch Private Public Partnerships zu mobilisieren", meint immerhin Jürgen Michael Schick, Vizepräsident des Immobilienverbands Deutschland. Aus der Fondsbranche kommen aber keine so euphorischen Signale. Im Februar konnte sich nur ein Drittel der vom Analysehaus Feri befragten Fondsgesellschaften vorstellen, PPP-Fonds aufzulegen.
Immerhin sollen die Fonds sich nur an Projekten beteiligen dürfen, die bereits in Betrieb sind. Das reduziert das Risiko für Anleger. Andererseits soll eine Rückgabe der Anteile maximal zweimal im Jahr möglich sein. So sind die Investoren langfristig gebunden.
Die Probleme der Branche sind nicht auf Deutschland beschränkt. Die Ratingagentur Standard & Poor's benutzt in einem Bericht das böse Wort "Blase", um die Marktsituation zu beschreiben. 2006 sei das Übernahmevolumen auf mehr als 145 Milliarden Dollar gestiegen, 180 Prozent mehr als noch im Jahr 2000. Fonds versuchten 150 Milliarden Dollar in der Branche unterzubringen - darunter 27 im vergangenen Jahr neu aufgelegte Kapitalsammelstellen.
Gleichzeitig gebe es aber nur wenige lohnende Übernahmeziele, mit der Folge, dass die Preise explodieren und die für Übernahmen aufgenommenen Schulden bis zu 20-fach über dem Betriebsgewinn liegen. Der Infrastruktursektor laufe Gefahr, vom "zweifachen Fluch der Überbewertung und der überhöhten Fremdkapitalfinanzierung" heimgesucht zu werden. Die historisch guten Renditen, wichtiger Teil der Wachstumsstory, könnten der Vergangenheit angehören.
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