Von Arvid Kaiser
Legale Steuerflucht
Die Cayman-Inseln registrieren jährlich rund 1000 neue Investmentfonds und sind nun bei gut 7500 angelangt. Vor allem Hedgefonds verzichten selten auf einen Ableger in der Karibik. Die Britischen Jungferninseln mit 23.000 Einwohnern verzeichnen mehr als 60.000 Firmengründungen im Jahr.
Das Bankvermögen auf Jersey ist in zwei Jahren von 160 auf 190 Milliarden Pfund gewachsen. Bermuda, wo sich die Rückversicherer tummeln, gilt der CIA laut ihrem World Fact Book mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 69.900 Dollar als das reichste Land der Welt - knapp vor Luxemburg, das sich ebenfalls dank niedriger Steuern und Bankgeheimnis als Zentrum der Fondsbranche etabliert hat.
Die Beispiele zeigen, dass die etablierten Steueroasen inzwischen spezialisierte Finanzzentren mit geballtem Know-how geworden sind. Damit haben sie neben der Steuerersparnis ein zusätzliches Argument, um internationales Kapital anzulocken.
Das dürften sie für ihr Überleben auch brauchen, denn die Herkunftsländer des Kapitals vermindern den Anreiz, indem sie ihre eigenen Steuersätze senken.
"Es ist ja gar nicht mehr notwendig, etwas kriminell zu machen", sagt Friedrich Schneider. "Sie können ganz legal Steuern sparen." Fast schon legendär in den Finanzabteilungen großer Unternehmen ist das "Malta-Modell". Malta, wie Zypern seit 2004 Mitglied der EU, erstattet Holdings einen Großteil der Steuern, die deren maltesische Tochterunternehmen zahlen ("International Trading Companies", die kein Geschäft in Malta betreiben). Auf diese Weise sinkt die Steuerlast auf unter 5 Prozent.
Selbst Offshore-Berater Jürgen Bittger empfiehlt den meisten Mandanten, in der EU zu bleiben. Dank der Niederlassungsfreiheit müssen die Finanzämter jedes in einem EU-Land registrierte Unternehmen akzeptieren, selbst wenn die Firma im Land des Registers kein Geschäft betreibt.
Eine deutsche GmbH könne beispielsweise eine Gesellschaft in Zypern besitzen, erläutert Bittger. Dort fallen nur 10 Prozent Ertragssteuern an, für Holdings sogar gar keine. Die deutsche Muttergesellschaft kann die Gewinne der Tochter steuerfrei einnehmen. Bittger schwärmt geradezu von dem Modell: "10 Prozent Steuern ist nicht viel, und dafür null Risiko."
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