14.03.2007
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US-Immobilien

"Erst ein Drittel der Krise bewältigt"

Von Lutz Reiche

Die Krise am Immobilien- und Hypothekenmarkt in den USA wird sich verschärfen. Am Ende könnte sie die größte Industrienation sogar in eine Rezession stürzen, sagt Folker Hellmeyer. Im Interview warnt der Chefanalyst der Bremer Landesbank zugleich vor den Risiken der internationalen Kapitalverflechtung.

mm.de: Herr Hellmeyer, die Sorgen um den US-amerikanischen Immobilienmarkt wachsen. In diesem Kontext wird stets auf überzogene Immobilienpreise und faule Hypothekenkredite verwiesen. Wovon geht die größere Gefahr aus?

"Blauäugig Kredite vergeben": Folker Hellmeyer: Chefanalyst und US-Immobilienmarktexperte der Bremer Landesbank
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"Blauäugig Kredite vergeben": Folker Hellmeyer: Chefanalyst und US-Immobilienmarktexperte der Bremer Landesbank

Hellmeyer: Die Gefahr geht primär von den faulen Krediten und nur sekundär von überzogenen Immobilienpreisen aus. Ein überzogenes Preisniveau auf diesem Markt kann lange Bestand haben. Faule Kredite zwingen Banken, ihre Bilanzen vergleichsweise schnell anzupassen. Diese Anpassungen erhöhen die Risikoaversion und entfalten damit markante Folgen für den Finanzmarkt.

mm.de: Wie hoch ist das Risiko, dass die Krise zahlreicher US-Hypothekenbanken für Kunden mit schlechter Bonität auf den gesamten amerikanischen Bankensektor überspringt?

Hellmeyer: Das Risiko ist gegeben, weil es viele Finanzmarktteilnehmer gibt, die in diesen Subprime-Sektor recht blauäugig dem Zeitgeist der jüngeren Vergangenheit folgend Kredite vergeben haben oder Kreditrisiken im Rahmen von derivaten Geschäften eingegangen sind. Gleichwohl ist bis zu dem jetzigen Zeitpunkt eine Infizierung des gesamten US-Bankensystems nicht erkennbar. Die Schäden für das Bankensystem sind bislang überschaubar. Die Betonung liegt hier auf dem Wort "bislang".

mm.de: Welche Folgen erwarten Sie für die US-Konjunktur, sollte sich die Entwicklung auf dem US-Immobilien- und Hypothekenmarkt verschlechtern?

Hellmeyer: Wir gehen davon aus, dass sich die Krise des amerikanischen Immobilienmarkts und der US-Hypothekenbanken verschärfen wird. Nach unseren Einschätzungen ist etwa erst ein Drittel der Krise bewältigt. Am Ende dieses Prozesses dürfte das die US-Wirtschaft, die zu über 70 Prozent vom privaten Verbrauch bestimmt ist, nahe an eine Rezession führen, womöglich sogar in eine Rezession fallen lassen.

Mit Blick auf die US-Wirtschaft dürfen wir nicht außer Acht lassen, dass in den vergangenen Jahren die Subventionierung des privaten Verbrauchs durch Beleihung nicht realisierter Buchgewinne aus dem Immobilienbereich unterfüttert worden ist. Diese Subvention des privaten Verbrauches steht nun zur Disposition, kann sich in ihrer Wirkung sogar umkehren. Insofern sind die Folgen für die US-Konjunktur nachhaltig, auch wenn der gesamte Immobilienbereich samt Baubranche lediglich einen Anteil von rund 15 Prozent an der US-Wirtschaftsleistung hat.

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