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12.09.2006
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Anleihen

Kampf der Investoren

Von Karsten Stumm

2. Teil: Die Gefahren für die Bondanleger

Der Fall des Ketchupkönigs Heinz

Der Großaktionär des amerikanischen Ketchupkonzerns Heinz setzte das Management des Tomatensoßenherstellers so unter Druck, dass die sich ihre alte Freiheit schließlich zurückkauften. Die Vorstände des Unternehmens erhöhten die Ausschüttung an die Aktionäre der Gesellschaft um knapp 17 Prozent, zugleich ließen sie Heinz-Aktien im Wert von einer Milliarde Dollar zurückerwerben.

Heinz Ketchup: Das US-Unternehmen beugte sich dem Druck eines Großaktionärs
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AP

Heinz Ketchup: Das US-Unternehmen beugte sich dem Druck eines Großaktionärs

Das gefiel den Anteilseignern wie Nelson Peltz natürlich, denn sie erhielten nicht nur mehr Geld aus dem Unternehmensgewinn ausgezahlt als eigentlich geplant war. Auch der Wert ihrer Aktien legte durch die künstliche Nachfrage nach ihren Titeln einen Tick zu. Doch die Rechnung zahlten die Anleihenbesitzer des Unternehmens.

Denn um das Milliarden Dollar schwere Aktionärsgeschenk überhaupt finanzieren zu können, musste die Gesellschaft zusätzlich Kapital aufnehmen. Da zudem Barreserven ohne neue Investitionen verplempert wurden, sank die Bonität des Unternehmens. Die Kreditexperten von Standard & Poor's stuften Heinz' Kreditwürdigkeit von A- auf BBB+ herunter. Das ist happig, und entsprechend stark sank der Anleihenkurs der Heinz-Bonds.

Aktionärsgeschenke vermindern die Bonität

Nach Angaben von Moody’s haben solche Aktionärsgeschenke allein in diesem Jahr schon dazu geführt, dass die Bonität von mehr als 40 größeren Unternehmen zurückgestuft werden musste. Vierteljährlich kaufen amerikanische Unternehmen, deren Aktien im S&P-500-Aktienindex geführt werden, derzeit eigene Anteilscheine im Wert von 95 Milliarden Dollar zurück. Das ist dreimal so viel, wie zur Jahrtausendwende. Und die Finanzmarktexperten von Standard & Poor’s haben nachgezählt, dass seit Beginn des Jahres 32 Unternehmen ihren Status als solide Geldanlage verloren haben und nun als Ramsch-Bond gelten. Allein sieben Unternehmen und vor allem ihre Bondanleger erwischte es im vergangenen Monat.

Nicht viel Gutes kam in den vergangenen Monaten auch bei Fusionen und Übernahmen für die Bondanleger der betroffenen Firmen heraus. Weil die oft zu einem großen Teil per Kredit bezahlt werden, leidet erst die Bonität der Gesellschaften, dann der Wert ihrer ausstehenden Anleihen – und schließlich das Bankkonto der Bondholder. Wer in dieser Phase seine Anleihen verkaufen muss, etwa der Investor sein Geld plötzlich für eine unvorhergesehene größere Anschaffung braucht, macht oftmals dicke Verluste.

Angst vor steigenden Zinsen

Geradezu überraschend dann der Blick auf die Kurszettel der Anleihen. Investoren sind an dem vielfach erwarteten Kursrutsch der Bonds auf breiter Front bisher vorbeigekommen. Die Nachfrage nach den Unternehmensanleihen bleibt bisher hoch, das Angebot an neuen Titeln aber vergleichsweise knapp. Entsprechend stabil zeigten sich die Anleihenpreise bisher und trotzen somit den Gefahren, die sie in einer anderen Marktlage sicher schon stärker als derzeit unter Druck gesetzt hätten.

Mittlerweile aber drücken auch noch höhere Renditen bei Staatsanleihen und die Angst vor weiter steigenden Zinsen auf die Stimmung der Bondanleger, wie die Furcht vor stagnierenden Unternehmensgewinnen. Denn in den vergangenen Jahren gelang es den meisten Unternehmen nur etwas mehr als 30 Monate in Folge, ihren Profit in Zeiten guter Konjunktur zu steigern. Doch die aktuelle Phase steigender Firmengewinne dauert international gesehen schon deutlich länger – und langsam droht der Weltkonjunktur ein kleiner Abschwung. Speziell die Wirtschaftsentwicklung in den USA läuft nicht mehr auf so hohen Touren, wie noch vor einigen Monaten.

Entsprechend vorsichtig sind derzeit auch Finanzprofis, wenn sie einen Blick in die Anlagezukunft werfen sollen. Die amerikanische Investmentbank Merrill Lynch beispielsweise bat kürzlich eine ganze Reihe von Fondsmanagern genau darum. 60 Prozent rechneten mit weniger Wachstum der Weltwirtschaft in den kommenden Monaten; vor drei Monaten waren nur 5 Prozent dieser Meinung. Und mittlerweile erwarten 44 Prozent der Fondsmanagerinnen und -manager, dass die Unternehmen bald weniger Gewinn als derzeit erwirtschaften werden. So schlecht fiel das Fazit der Finanzprofis nicht mehr seit dem Jahr 2001 aus. Noch haben Anleger Zeit, zu reagieren.

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