Von Karsten Stumm
Hamburg - Wurde es Deutschlands Anlegern nicht ständig gesagt? Sollten sie nicht diszipliniert anlegen und ihre Aktien verkaufen, wenn sie mehr Verlust zu machen drohen als beim Kauf der Wertpapiere kalkuliert worden ist? Genau das machen die Investoren hierzulande jetzt. Seitdem die Kursverluste vieler Aktien aus den Monaten Mai und Juni fast wieder ausgeglichen sind, schwenken Anleger auf weniger riskante Geldanlagen um. Speziell Tagesgeld und Anleihen sind derzeit gefragt. Doch wofür sollen sich die Sparer entscheiden?
Die Geldhäuser zahlen deutschen Sparern derzeit höchstens einen Tick mehr als 3 Prozent Zinsen für ihr Geld, wenn sie sich für eine Tagesgeldofferte der Banken entscheiden. Und das auch nur, wenn sie vor der Geldanlage kein Konto bei dem Finanzdienstleister hatten – oder das zumindest schon einige Jahre her ist. Für alle anderen Anleger fallen die Zinsofferten der Geldhäuser noch deutlich niedriger aus.
Damit nicht genug. Einigermaßen sichere Staats- und Unternehmensanleihen bringen Anlegern derzeit nicht viel mehr Rendite als die Tagesgeldangebote der Geschäftsbanken. Die Finanzierungsschätze des Bundes etwa sind so vorerst völlig aus der Mode geraten. Wer in dieser Zinsphase mehr will, muss schon auf Anleihen aus der zweiten Unternehmensreihe ausweichen.
Bonds von bekannten Firmen wie beispielsweise der Tui
oder Fiat
bieten Sparern durchaus noch attraktive Zinsen zwischen 5 und 6 Prozent pro Jahr. Doch solch Freigebigkeit hat seinen Grund: Die Unternehmen gelten nicht als Schuldner mit dem besten Ruf. Ihre Schuldenlast ist oftmals so hoch, dass ihnen internationale Bonitätswächter wie Standard & Poor’s oder Moody’s nur noch schwächere Kreditwürdigkeit der Kategorie Doppel-B bescheinigen. Als Ausgleich für dieses Anlagerisiko bieten die Unternehmen den Anlegern dann vergleichsweise hohe Zinsen.
Wer sich für solche Anleihen begeistert, sollte das bedenken – und nur einen entsprechend kleinen Teil seines Geldes in solche Bonds investieren. Dann aber lohnt das Investment, wenn die Unternehmen ihren Anlegern wie vereinbart pünktlich den hohen Zinsscheck überweisen und das geborgte Geld schließlich auch komplett zurückzahlen. Unternehmensanleihen mit Bonitätsnoten im Bereich Doppel-B bieten Investoren derzeit etwa 1,8 Prozentpunkte mehr Rendite als Staatsanleihen, haben die Experten von Thomson Financial errechnet.
Dass Firmenanleihen darüber hinaus derzeit einen schweren Stand bei Anlegern haben, liegt allerdings nicht einmal an den Unternehmen selbst, die sich das Geld der Investoren borgen. Seit Monaten müssen Bondanleger mit ansehen, wie Großaktionäre der Gesellschaften sich in die Geschäfte der Firmen einmischen, und zwar auf ihre Kosten. So, wie beispielsweise Nelson Peltz.
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