Von Karsten Stumm
Darüber hinaus profitieren mittlerweile auch deutlich mehr Firmen indirekt von den hohen Zahlungen an die Ölförderstaaten als vor einigen Jahrzehnten. Speziell arabische Staaten ordern mit dem Geld aus ihren Ölverkäufen zunehmend Investitionsgüter in Deutschland, so dass die erhöhten Ölpreise das Wirtschaftswachstum weniger stark dämpfen als es vor Jahren der Fall gewesen wäre.
"Im Jahr 2005 haben deutsche Firmen Waren und Dienstleistungen im Wert von 20,6 Milliarden Euro in die Ölstaaten dieser Region ausgeführt. Das ist mehr als die gesamten Exporte Deutschlands nach China und Indien zusammen ausmachen", sagt Matthias Mitscherlich zu manager-magazin.de, Vorstandschef von MAN Ferrostaal und Vorsitzender der Nordafrika-Mittelost-Initiative der deutschen Wirtschaft. "Diesen Zusammenhang haben wir in unseren vergangenen Konjunkturschätzungen für Deutschland in seiner Stärke offenbar noch nicht richtig eingeschätzt", sagt Carsten-Patrick Meier gegenüber manager-magazin.de zur Begründung, Konjunkturexperte des Kieler Weltwirtschaftsinstituts.
Dennoch wird auch dieser Effekt die negativen Ölpreisfolgen für Deutschlands Unternehmen nur dämpfen, nicht aber ausgleichen. DIW-Forscherin Kempfert schlägt deshalb eine radikale Lösung des Problems vor: ein weltweite Steuer auf alle Gewinne aus Ölgeschäften. "Gemessen an dem derzeitigen Ölangebot und der Nachfrage nach dem Rohstoff, müssten wir derzeit ein Preisniveau von 55 bis 60 Dollar pro Barrel haben, und nicht knapp 80 Dollar. Die Differnez ist Spekulation."
Würden sich die acht führenden Industriestaaten der Welt deshalb gemeinsam entschließen, mit steuern in das Geschäft einzugreifen, würden die möglichen Spekulationsgewinne sinken – und in der Folge womöglich auch der Ölpreis. "Bisher sind solche Vorschläge aber stets an der US-Regierung gescheitert", sagt Kemfert. "Aber vielleicht ändern die amerikanische Regierung ja noch ihre Meinung. Schließlich ist Amerika so abhängig von Rohöl, wie kaum ein anderes Land der Erde."
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