Von Karsten Stumm
Hamburg – Wie soll das weitergehen? Steigt der Ölpreis weiter, unaufhaltsam, von Rekord zu Rekord? Den jüngsten haben Asiens Rohstoffhändler gebrochen: Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte WTI 78,08 Dollar und damit 1,38 Dollar mehr als am Vortag. In der Nacht war zwischenzeitlich sogar die Rekordnotierung vom Donnerstag gebrochen worden, als für ein Ölfass 78,40 Dollar gezahlt wurde. Doch selbst das scheint nur ein Zwischenschritt zu sein.
Händler rechnen damit, dass der Ölpreis noch weiter steigen wird. Sie fürchten seit dem Einmarsch israelischer Truppen im Libanon für die Zukunft Förderausfälle. Und das mitten in einer Zeit, in der die Nachfrage nach dem Rohstoff Öl hoch ist. Denn nicht nur die Weltkonjunktur läuft noch gut. Viele Firmen müssen deshalb in erheblichem Umfang Öl als Rohstoff für ihre Produkte einkaufen, um überhaupt so viele ihrer Waren verkaufen zu können, wie derzeit nachgefragt werden. Im Sommer steigt regelmäßig auch der Verbrauch von Ölprodukten wie Benzin, weil vor allem viele amerikanische Bürger mit dem Auto in den Sommerurlaub aufbrechen und dabei erheblich Kraftstoff verbrauchen.
"Der Sprung über die Marke von 80 US-Dollar beim Ölpreis scheint deshalb unausweichlich", sagte Analyst Victor Shum von der Energieberatungsgesellschaft Purvin and Gertz. "Der Ölpreis bewegt sich im Spannungsfeld einer Reihe von Krisenherden, engen Produktmärkten bei einer robusten Nachfrage."
Die Aussicht schlägt bereits auf die Wirtschaftsstimmung der bedeutendsten Volkswirtschaften der Welt durch. Yumi Nishimura von Daiwa Securities
beispielsweise fürchtet nun sinkende Aktienkurse vieler Industrieunternehmen in Japan. Sie leiden nicht nur unter steigenden Material- und Rohstoffkosten. Manchen Firmen gelingt es zudem kaum, ihre höheren Produktionskosten durch höhere Verkaufspreise ihrer Produkte auszugleichen. Zu hart ist der Wettbewerb in manchen Branchen.
Japans Börsianer sorgen sich zudem um die heimische Exportindustrie. Analysten in Tokio zufolge könnten die höheren Energiekosten die US-Konjunktur dämpfen und damit auch die Nachfrage nach japanischen Importgütern; Amerika ist der wichtigste Exportmarkt für japanische Firmen. Die Aktien des weltgrößten Digitalkameraherstellers Canon
beispielsweise verbilligten sich bereits heute entsprechend um 2,3 Prozent, die von Sony
gaben um 2,8 Prozent nach – und die Aussichten sind nicht günstig.
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