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manager magazin



16.05.2006
 

Immobilienkredite

Banken kämpfen um Entschädigung

Von Rita Syre

Steigende Kreditkosten, Konjunkturschwankungen und eine geringere Finanzstabilität - die Deutsche Bank zeichnet ein Schreckensbild. Kein Wunder, schließlich will sie verhindern, dass die EU-Kommission die Entschädigungen abschafft, die Kreditnehmer bei einer vorzeitigen Tilgung zahlen müssen.

Frankfurt am Main - Die Deutsche Bank hat nicht viel Zeit verstreichen lassen. Erst vor wenigen Tagen haben sich die Vertreter von Banken und Verbraucherverbänden aus ganz Europa in Brüssel zu einem Gespräch getroffen. Eingeladen hatte sie die EU-Kommission, um ihnen ihr so genanntes "Grünbuch zur Integration der Hypothekarkreditmärkte" vorzustellen.

Deutschen Bank in Frankfurt: Sturmlauf gegen Pläne der EU-Kommission
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AP

Deutschen Bank in Frankfurt: Sturmlauf gegen Pläne der EU-Kommission

Im Juli vergangenen Jahres hatte die Kommission bei Verbraucherschutz, Rechtsfragen, Sicherheiten und Refinanzierung auf dem Markt für Immobilienkredite Handlungsbedarf diagnostiziert. In den Gesprächsrunden sollen nun bis zum ersten Quartal kommenden Jahres konkrete Vorschläge erarbeitet werden.

Nach Ansicht der Deutschen Bank drohen dabei aber "voreilige Schritte", die Verbrauchern und der deutschen Volkswirtschaft schaden würden. Vor allem ein Thema treibt das Kreditinstitut um: Die EU-Kommissare stellen die so genannten Vorfälligkeitsentschädigungen in Frage, die anfallen, wenn ein Immobilienkredit vorzeitig abgelöst wird. "Wir legen ein Petitum für Festzinskredite mit Vorfälligkeitsentschädigung ein", sagt Michael Berendes von der Deutschen Bank. Die Kreditinstitute fordern diese Entschädigung bislang als Kompensation für einen potentiellen Refinanzierungsschaden ein. Der kann dann eintreten, wenn der aktuelle Zinssatz für einen neu vergebenen Immobilienkredit zum Kündigungszeitpunkt niedriger ist als das gekündigte Darlehen.

Die EU-Kommission lotet derzeit das Für und Wider einer vorzeitigen Kündbarkeit von Festzinskrediten ohne Entschädigungszahlung aus. Dagegen läuft die Deutsche Bank Sturm. Sie verweist auf die hohen Risiken für Verbraucher, Bankensystem und die gesamte deutsche Volkswirtschaft. Fiele die Entschädigung weg, könne der Festzinskredit für die deutschen Finanzhäuser an Attraktivität verlieren, warnt Berendes.

Verdrängten aber stattdessen Kredite mit variabler Verzinsung die Festzinskredite, könnten die Konjunkturschwankungen stärker werden, meint Stefan Schäfer von der Deutschen Bank. Denn steigende Zinsen würden das verfügbare Einkommen belasten und den privaten Konsum drücken. Zudem sänke die Finanzstabilität, weil für viele Banken der Margendruck steigen werde, so Schäfers Argumentation. Schließlich warnt Schäfer, eine Abkehr vom traditionellen deutschen Festzinskredit fördere das Entstehen von Immobilienblasen.

Und damit nicht genug. Deutsche-Bank-Experte Berendes weist darauf hin, dass der Abschied von der Vorfälligkeitsentschädigung den Kunden auf jeden Fall teurere Kredite bringen werden. Denn die Banken würden die für sie steigenden Kosten überwälzen, prognostiziert er. Der Experte der Deutschen Bank rechnet vor, dass im Fall einer Abschaffung der Vorfälligkeitsentschädigung der Kreditzins im derzeitigen Marktumfeld um 0,2 bis 0,4 Prozent erhöht werden müsste.

Diese Drohung imponiert Verbraucherschützern allerdings wenig. "Mehrkosten von 0,2 bis 0,3 Prozent wären durchaus akzeptabel", sagt Lars Gatschke vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. "Wenn dafür endlich die Flexibilität bei der Kündigung von Festzinskrediten verankert wird."

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