Von Karsten Stumm
mm.de: Warum trifft die Selbstüberschätzung in Geldangelegenheiten eigentlich selbst Anleger, die sonst geradezu übervorsichtig sind? Sparer beispielsweise, die eine Vielzahl verschiedener Versicherungen abgeschlossen haben, um selbst für das unwahrscheinlichste Zukunftsrisiko gewappnet zu sein?
Goldberg: Selbst übervorsichtige Anleger sind nicht davor gefeit, der gefährlichen Kontrollillusion zu erliegen. Ein Beispiel dafür aus dem täglichen Leben: Denken Sie an den Vater, der seine Kinder nur mit dem scheinbar besten Bio-Essen versorgt, aber den Kindersitz im Auto nicht benutzt. Er glaubt, das Autofahrrisiko zu beherrschen. Wer glaubt, etwas gut zu können, informiert sich über dieses Thema oftmals nicht mehr ausreichend. Das gilt auch für Anleger.
mm.de: Hören die Investoren plötzlich auf, Zeitung zu lesen?
Goldberg: Nicht ganz, aber sie nehmen Neuigkeiten aus dem Investmentbereich weniger genau wahr, werden nachlässig. Überhaupt müssen Informationen heutzutage ganz besonders schnell verarbeitbar sein. Geldverdienen allein reicht nicht mehr, es muss auch schnell gehen.
mm.de: Was Sie da sagen, dürfte den Anbietern vieler Geldanlagen zur Altersvorsorge nicht gefallen. Deren Investmentprodukte gelten vielen Anlegern als kompliziert. Schlagen Investoren deshalb so selten etwa bei Riester-Rentenangeboten zu, obwohl sie vielfach gute Renditen bieten?
Goldberg: Absolut richtig. Selbst das, was das Verlangen nach mehr Geld stillt, wird abgelehnt, wenn es nicht leicht verständlich ist. Viele gute Dinge können nicht umgesetzt werden, weil sich die Leute nicht mit komplexen Informationen auseinander setzen wollen. Die Menschen sind nun mal so.
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