Von Lutz Knappmann
Kein Überblick im eigenen Haus
Nicht einmal in ihrem eigenen Haus haben manche Finanzinstitute offenbar den nötigen Überblick: "Einige größere Banken hatten Schwierigkeiten, all ihre Hedgefondsengagements über verschiedene Geschäftsbereiche oder Regionen hinweg aggregiert zu betrachten", schreibt die EZB.
Dass die europäischen Banken im Vergleich mit ihren US-Wettbewerbern eine eher geringe Rolle im Hedgefondsgeschäft spielen, ist da nur ein schwacher Trost. Das geringe Volumen der direkten Engagements europäischer Banken könne die tatsächlichen Risiken verharmlosen, schlussfolgern die Zentralbanker. Im Krisenfall könnten externe Effekte auftreten, "die nicht aus den direkten Engagements selbst abzuleiten sind".
Solche Erkenntnisse sind Wasser auf die Mühlen der Regulierungsbefürworter. Zwar bemüht sich die EZB, die Ergebnisse ihrer Studie nicht zu dramatisieren. Die EU-Banken hätten durchaus klare Regeln für den Umgang mit Hedgefonds getroffen, betonen die Kontrolleure. Doch Forderungen nach mehr Transparenz und Kontrolle im Geschäft der Renditejäger wird das kaum entkräften.
Im nationalen Alleingang dürften strengere Regeln freilich wirkungslos bleiben. Der scheidende US-Zentralbankchef Alan Greenspan, ohnehin ein Gegner staatlicher Fondsaufsicht, warnt seit langem, eine Verschärfung der Kontrollen würde gerade die aggressivsten Fonds aus dem Land treiben. "Wenn die Fonds abwandern", so Greenspan, "dann verlieren wir völlig die Übersicht."
Kontrollen lassen sich umgehen
Das Beispiel USA zeigt aber auch, dass selbst die Einführung von Kontrollmechanismen nicht unbedingt zu mehr Transparenz führt: Vom 1. Februar 2006 an gilt dort eine Meldepflicht für Hedgefonds. Übersteigt das Fondsvolumen 25 Millionen Dollar und sind mindestens 15 Investoren beteiligt, müssen sich die Anbieter bei der Börsenaufsicht SEC registrieren. Sie unterliegen dann zudem strengeren Informationspflichten.
Vor allem die etablierten Fondshäuser begrüßen diese Regeln. Doch einige Branchenvertreter treffen mittlerweile Vorbereitungen, die Kontrollen zu umgehen. Sie erwägen beispielsweise, fortan die Zahl ihrer Kunden auf maximal 15 zu begrenzen, um so der Meldepflicht zu entgehen. Ihre Risikostruktur und Anlagestrategie bleibt damit weiterhin im Dunklen.
Schwacher Trost für die düpierten Aufseher: Eine Größendimension wie der gestrauchelte Fondsriese LTCM dürften diese Kandidaten kaum erreichen. Die Schockwellen eines Fondszusammenbruchs würde das zumindest etwas begrenzen.
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