Von Karsten Stumm
mm.de: ... die schwache Beratungsqualität?
Friess: Eher die Einseitigkeit in der Beratung und das Ziel, Produkte verkaufen zu müssen. Viele Leute fürchten zu Recht an jemanden zu geraten, der nicht frei von Interessenskonflikten ist oder nicht umfassend berät.
mm.de: Sind nicht doch die Beratungsergebnisse der entscheidende Grund, warum die meisten Bundesbürger die Dienste der Finanzdienstleister meiden? Die vorgeschlagenen Anlagemittel sind oft komplex, viele Leute fürchten, den Überblick über die eigenen Finanzen zu verlieren. Gibt es keine Komplettlösungen zur Altersvorsorge?
Friess: Keine guten zumindest, leider nein. Dafür kann ich Ihnen die Angst vor einer Zerfledderung Ihrer Geldanlage nehmen: Mehr als 80 Prozent unserer Kunden haben vor der Beratung eine viel unübersichtlichere Zusammenstellung der verschiedensten Altersvorsorgebausteine genutzt als nachher. Auch für junge Leute, die ihren Kapitalaufbau planen wollen, gibt es hier überschaubare Möglichkeiten.
mm.de: Könnten Sie einen solchen Weg beschreiben?
Friess: Denkbar wäre eine Aufteilung der Sparsumme in vier Bausteine: Erstens eine Liquiditätsreserve, um beispielsweise kurzfristige Arbeitslosigkeit überbrücken zu können. Zweitens: Kapital für Versicherungen, mit denen sich jeder gegen Berufsunfähigkeit absichern kann oder Vorsorge für Familienangehörige im Todesfall treffen kann. Drittens: Das reine Sparen für die Alterssicherung, damit man auch im hohen Alter seinen Lebensstandard halten kann. Und was dann noch übrig bleibt, könnte in den vierten Bereich fließen - den Konsum.
mm.de: Wie lange kann diese Aufteilung beibehalten werden?
Friess: Wir empfehlen, alle fünf Jahre über die Einteilung neu nachzudenken. Oder aber, wenn sich Veränderungen ergeben haben, beispielsweise ein neuer Arbeitsplatz, Selbständigkeit oder Heirat.
© manager magazin online 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH