Hohe Dividenden sind ein zweischneidiges Schwert
Trotz des Erfolges: "Die Dividendenstrategie ist eine Modeerscheinung", ist Schreckeis überzeugt. Sie sei immer dann angesagt, wenn - wie derzeit - der Marktzins niedrig und die Richtung an der Börse unklar ist. In den "goldenen Zeiten" des Börsenhochs vor dem Jahr 2000 hätten die meisten Anleger nur auf die explodierenden Aktienkurse Neuer-Markt-Firmen geschielt und sich nicht um Titel mit solider Dividende geschert, erinnert sich Christine Helbig vom DAI.
Hohe Dividenden sind laut Helbig zudem ein zweischneidiges Schwert. Vermögende Anleger seien im Nachteil. Unabhängig von der so genannten Spekulationsfrist müssen Dividendeneinnahmen versteuert werden, sofern der Sparerfreibetrag überschritten wird. Normalerweise bekommt das Finanzamt von Aktiengewinnen nichts ab, wenn die Wertpapiere ein Jahr lang nicht verkauft wurden.
kann eine Dividende dafür sprechen, dass das Unternehmen nicht weiß, wo es sein Geld investieren soll. Das könne auf eine langfristig schlechte Strategie hindeuten. "Investitionen von heute sind Gewinne in der Zukunft", so Helbig. Sie warnt auch davor, von den Ausschüttungen der Vergangenheit auf künftige zu schließen. Läuft das Geschäft schlecht, verzichten Unternehmen nämlich darauf.
Ertragschancen anderer Anlageformen im Auge behalten
Aktiengesellschaften werben gern mit ihrer Dividendenrendite. Wer ihre Ertragschancen mit anderen Anlageformen vergleichen möchte, sollte den Börsenkurs im Auge behalten. Die Rendite errechnet sich anhand des Verhältnisses von Dividende und dem börsentäglich schwankenden Aktienkurs. "Was nützt eine hohe Dividendenrendite, wenn der Kurs einbricht. Dividendentitel sind Wertpapiere mit allen Risiken des Aktienmarktes", sagt Verbraucherschützer Peter Grieble. Allerdings verfügten sie über "ein unterdurchschnittliches Risiko."
Das bestätigt auch Christian Schreckeis. Solche Papiere wiesen geringere Kursschwankungen als Aktien von Unternehmen auf, die generell keine Dividende zahlen.
Dass der Dividendenregen bald versiegen könnte, glaubt Peter Grieble nicht, da sich in vielen Branchen kaum neue Geschäftsfelder auftun, in die investiert werden müsste. Allerdings hat Fonds-Experte Schreckeis schon den nächsten Trend vor Augen. In den kommenden Jahren könnten wieder Aktien schnell wachsender Unternehmen die Nase vorn haben.
Berti Kolbow (dpa)
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