Von Lutz Reiche
Fitch hält Methodenkritik für "vorgeschoben"
Fitch-Analyst Marco Metzler hält die GDV-Kritik an der Methode des Modells ohnehin für ein "ein vorgeschobenes Argument". Der GDV sei nicht bereit gewesen, mit Fitch im Detail das Q-Modell zu besprechen. "Hinterher die Methodik zu kritisieren, ohne sich im Detail damit beschäftigt zu haben, obwohl es im Rahmen des Möglichen machbar war, scheint uns nicht angebracht und opportun zu sein", erklärt Metzler.
Fitch hatte bereits in einem Brief vom 4. März dieses Jahres an den GDV bedauert, dass der Branchenverband eine Diskussion zur Methode des Q-Ratings abgelehnt habe. Sollte es sich der GDV in Zukunft noch einmal anders überlegen, sei man gerne bereit, auf das Thema zurückzukommen. Allerdings - jedes Detail scheinen die Londoner Analysten dann wiederum auch nicht preisgeben zu wollen. Dazu die folgende Passage aus dem Brief:
"Nevertheless, we took the decision that it would be appropriate for us to disclose our model to you so that you could judge for yourselves the appropriateness of our analytics. Considering the emphasis that was placed on this exact point in your letter we are disappointed you have to date declined our offer. Should you change your minds at some point in the future, we would be happy to revisit the issue. We would not, however, be willing to disclose all calibrations as this will avoid putting you, or any other persons seeing the model, in a preferential position."
Zu dem angeblich vom GDV ausgeschlagenen Gesprächsangebot erklärt Wolgast: "Es stimmt nicht, dass wir das Angebot pauschal abgelehnt haben. Diese Behauptung ist in dieser Form verkürzt. Das entsprechende Angebot von Fitch haben wir vielmehr zunächst mit dem Hinweis, dass eine weitere Dokumentation des Modells für alle Beteiligten vordringlich sei, nicht aufgegriffen. Insbesondere haben wir darauf hingewiesen, dass eine privilegierte Information für den GDV keinen Ersatz für eine umfassende Dokumentation der Methodik gegenüber den betroffenen Unternehmen und der Öffentlichkeit darstellen kann."
Der GDV wollte sich, so Wolgast weiter, nicht auf "eine Geheimdiplomatie" mit Fitch einlassen. "Die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf, alles zu wissen."
Der Branchenverband habe jetzt laut Wolgast die Ratingexperten von Fitch nach Berlin eingeladen, damit sie ihr Modell noch einmal im Detail vorstellen und zur Diskussion stellen können. Ob dies hilft, den offen ausgetragenen Streit zu bereinigen, scheint im Moment zweifelhaft. "Ehrlich gesagt, glauben wir aber nicht, dass das noch viel bringt", sagt Wolgast.
© manager magazin online 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH