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14.03.2005
 

Versicherer

Streit um Fitch-Rating eskaliert

Von Lutz Reiche

Die ungebetene Bewertung von 136 deutschen Versicherern durch die Ratingagentur Fitch hat zu einem offenen Streit mit der Assekuranz geführt. Der Branchenverband GDV attestiert dem neuen "Q-Rating" schwere methodische Mängel. Fitch hält die Kritik für "vorgeschoben".

Hamburg/London/Berlin - Fitch und die deutschen Versicherer - das dürfte auch in Zukunft eine spannungsgeladene Beziehung bleiben. Seien es die mitunter alarmierenden Berichte zum Zustand der deutschen Lebensversicherer, die Fundamentalkritik an der Auffanggesellschaft "Protektor" oder die Seitenhiebe gegen den seit Jahresbeginn in Kraft getretenen Sicherungsfonds - in den vergangenen zwei Jahren hat sich die Ratingagentur nicht gerade zum Liebkind der deutschen Assekuranz gemacht.

  Ratings  zur Finanzstärke eines Versicherers gewinnen an Bedeutung - vor allem für Vermittler von Versicherungsprodukten. Für die Refinanzierung der Unternehmen am Kapitalmarkt spielen sie eher eine untergeordnete Rolle
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Ratings zur Finanzstärke eines Versicherers gewinnen an Bedeutung - vor allem für Vermittler von Versicherungsprodukten. Für die Refinanzierung der Unternehmen am Kapitalmarkt spielen sie eher eine untergeordnete Rolle

Für einen lauten Aufschrei in der Branche sorgte zuletzt die Ankündigung, ungefragt so genannte Q-Ratings (Quantitative Finanzstärke Ratings) zu veröffentlichen.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) warf den Londoner Experten vor, mit diesen Ratings Druck auf die Versicherer auszuüben, ein "normales" Rating zu beantragen, das für die Unternehmen mit erheblichen Kosten verbunden ist. Bislang hat sich nur ein kleiner Teil der deutschen Versicherer freiwillig bewerten lassen. Diese Unternehmen indes tauchen in dem ungebetenen Q-Rating auch nicht auf.

Statt wie geplant im Dezember vergangenen Jahres, ist das Q-Rating jetzt auf den Markt gekommen. Der zurückliegende Dialog zwischen Fitch und dem GDV hat die Wogen aber nicht glätten können: Die Assekuranz macht nach wie vor erhebliche Einwände gegen die Methode des Ratings geltend. Die Auseinandersetzung über die Vorgehensweise der Rating-Analysten ist dabei zu einem offenen Streit entbrannt.

Qualitative Faktoren fließen nicht mit ein

Das Q-Rating beruht auf öffentlich zugänglichen Informationen, vor allem aus Geschäftsberichten der Gesellschaften. Deshalb ist es eher eine Momentaufnahme und trifft keine Annahme über die zukünftige Finanzkraft eines Unternehmens. Im Gegensatz zu den traditionellen, kostenpflichtigen, so genannten "interaktiven" Finanzstärke-Ratings von Fitch, fließen qualitative Faktoren in das Q-Rating nicht mit ein. Qualitative Faktoren sind zum Beispiel das persönliche Gespräch mit dem Management, die Analyse einer möglichen Gruppeneinbindung des Unternehmens oder die Bewertung interner Strukturen.

Acht Gesellschaften stuft Fitch als "schwach" ein

Fitch hat 136 deutsche Versicherer einem Q-Rating unterzogen: 45 Lebens-, 27 Kranken- sowie 67 Schaden- und Unfallversicherer. Die Bewertungsskala des Q-Ratings (siehe: Definitionen laut Fitch) entspricht der des interaktiven Ratings und reicht von "AAA" bis "CCC", wobei die Ratings jeweils den Zusatz "q" tragen.

Zehn Gesellschaften haben die Bewertung "Aq" ("stark") erhalten, 83 "BBBq" ("gut"), 35 "BBq" ("leicht schwach"). Acht Gesellschaften hat Fitch mit "Bq" ("schwach") eingestuft. Bei "schwachen" Gesellschaften gilt lauft Definition aufgrund der öffentlich verfügbaren Informationen als unsicher, ob sie ihre Verpflichtungen gegenüber ihren Kunden erfüllen können. Obwohl es positive Faktoren gebe, seien die Risikofaktoren sehr hoch.

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