Von Lutz Reiche
Wie die Versicherer jetzt reagieren
Manche Versicherer haben längst begonnen, sich dem "Problem" der Langlebigkeit zu stellen, wie ihre Sprecher sagen. So habe die Allianz bereits 2003 die Rentendeckungsrückstellungen um zusätzliche 400 Millionen Euro aufgestockt. Die Hamburg Mannheimer habe 240 Millionen Euro zur Finanzierung solcher möglichen "Langlebigkeitsrisken" zusätzlich zurückgelegt.
Und schon vor Veröffentlichung der jüngsten Sterbetafeln habe die Hamburger Versicherung für das Neugeschäft in 2004 mit einer etwas längeren Lebenserwartung ihrer Versicherten kalkuliert, womit die Garantierente bei den neuen Verträgen allerdings geringer ausfallen musste.
Aufgrund dieser vorsorglichen Entscheidungen könne man den Effekt der Langlebigkeit zumindest in naher Zukunft "gut abfedern", glaubt man bei der Hamburg Mannheimer. Es werde auch künftig Überschussrenten geben. Die genauen Auswirkungen der Langlebigkeit ließen sich aber nicht vorhersagen. Beim Marktführer Allianz Leben hält man sich mit einer klaren Einschätzung in diesem Punkt zurück, signalisiert aber zugleich, dass die Belastungen durch dieses Phänomen steigen und größere Anstrengungen bei den Rückstellungen nötig werden könnten.
HM erwartet keine Kündigungswelle
Sicher ist: Die drastischen Kürzung der Überschussrente wird den Kunden der Hamburg Mannheimer bitter aufstoßen, und in Einzelfällen dürfte es nicht dabei bleiben. So liegt manager-magazin.de auch der Brief eines enttäuschten Versicherten vor, der für sich ein Widerspruchsrecht reklamiert und im Ergebnis seine bei der Hamburg Mannheimer abgeschlossene Rentenversicherung auflösen will. Zugleich verlangt er die Rückzahlung bereits gezahlter Prämien zuzüglich Zinsen.
"Wir erwarten keine Kündigungswelle im Zuge der gesenkten Überschussrenten", reagiert der Sprecher der Hamburg Mannheimer gelassen auf solche Begehren. Laufende Rentenversicherungen seien in der Regel nicht kündbar, es sei denn, ein Tarif sehe ausdrücklich ein Kündigungsrecht vor.
Der Experte erinnert in diesem Kontext daran, dass es in Folge der im Jahr 1994 erneuerten Sterbetafeln und damit einhergehender Kürzungen der Überschussrenten bei einzelnen Versicherern zu zahlreichen wirksamen Kündigungen gekommen sei. Der Grund: In den Verträgen sei keine Klausel enthalten gewesen, die es dem Versicherer erlaubten, die Rentenzahlungen dieser verlängerten Lebenserwartung anzupassen. In diesem Punkt sehe sich die Hamburg Mannheimer rechtlich aber auf der sicheren Seite, da die besagte Anpassungsklausel Standard in jedem Vertrag sei.
"Kürzungen kein Sanierungsbeitrag für die Victoria"
Zugleich weist die Versicherung Spekulationen verärgerter Kunden zurück, die jetzt beschlossene Kürzung sei womöglich ein Sanierungsbeitrag für das Schwesterunternehmen Victoria. Letztere gehört genauso wie die Hamburg Mannheimer zur Ergo-Versicherungsgruppe, die sich mehrheitlich im Besitz der Konzernmutter Münchener Rück befindet. Die Münchener mussten im vergangenen Jahr der schwächelnden Victoria eine Kapitalspritze von 400 Millionen Euro zukommen lassen.
"Die Marken der Ergo-Gruppe sind getrennt, auch buchhalterisch. Die Finanzierungshilfe der Victoria ist aus München und nicht aus Hamburg gekommen. Wenn die Hamburg Mannheimer Geld an den Großaktionär abführt, sind das Vereinbarungen, die nichts mit der Victoria zu tun haben", heißt es.
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