10.12.2004
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Lebensversicherer

"Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren"

Von Lutz Reiche

2005 tritt der Sicherungsfonds für Not leidende Lebensversicherer in Kraft. Die Kosten dafür hat vor allem der Kunde zu tragen. Zugleich ist er gegen die mögliche Insolvenz seiner Gesellschaft nur unvollkommen geschützt, kritisiert Analyst Marco Metzer von Fitch Ratings. Doch es gibt auch Gewinner des neuen Gesetzes.

mm.de:

Kapitalbasis gestärkt, stille Lasten deutlich abgebaut - der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft hat unlängst ein positives Bild der Lebensversicherer gezeichnet. Hat die Branche ihre Hausaufgaben wirklich gemacht?

  Marco Metzler:  Analyst der Ratingagentur Fitch, London
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Marco Metzler: Analyst der Ratingagentur Fitch, London

Metzler: Ja, das hat sie. Allerdings ist man den Versicherern gerade mit Blick auf den Abbau der stillen Lasten erneut entgegengekommen. Wie viel davon Ende dieses Jahres noch in den Büchern stehen wird, lässt sich schlecht voraussagen. Eine generelle Entwarnung für die gesamte Branche kann man deshalb nicht geben.

mm.de: Viele Anbieter erwarten ein sehr gutes Jahr 2004. Mehrere haben bereits eine stabile Gesamtverzinsung für 2005 angekündigt. Ein zweiter Fall Mannheimer ist nicht in Sicht. Irgendwie passt der jetzt in Kraft tretende Sicherungsfonds nicht so recht ins Bild.

Metzler: Wir müssen genauer beschreiben, was ein gutes Jahr für einen Versicherer bedeutet. In der Branche herrschte etwa ein Jahrzehnt das am Neugeschäft orientierte Volumendenken vor. Da es angesichts des anhaltend niedrigen Zinsniveaus für die Lebensversicherer aber immer schwieriger wird, mehr zu verdienen als sie an die Kunden ausschütten, muss man das Neugeschäft relativieren und auf die Profitabilität schauen. Hier gibt es sicherlich einige sehr erfolgreiche Anbieter. Andere Versicherer dagegen arbeiten noch an der Lösung ihrer Probleme, die in den Jahren 2002 und 2003 aufgetreten sind.

mm.de: Es ist gar nicht so lange her, dass dramatisch anmutende Prognosen Verbraucher und Lebensversicherer aufgeschreckt hatten. Die auch von Fitch entworfenen Szenarien einer scharfen Konsolidierung zeichnen sich so nicht ab. Sehen Sie einen neuen Insolvenzfall für den Sicherungsfonds?

Metzler: Ich will nicht ausschließen, dass der Sicherungsfonds viel schneller in Aktion treten muss als wir glauben. Denn wir dürfen eines nicht vergessen: Die Erholung der Kapitalmärkte hat die strukturellen Probleme der Versicherer nur verschleiert. Das heißt, wegen ihrer schwachen Eigenkapitalbasis können sich viele Anbieter lediglich ein Engagement in schwach verzinslichen Wertpapieren leisten. Sie werden also zu wenig verdienen, um ihre hohen Garantien dauerhaft bedienen zu können. Kehrt dann noch die Volatilität in die Aktienmärkte zurück, könnten wir sogar sehr schnell weitere Fälle für den Sicherungsfonds sehen.

Darüber hinaus hat der Fall Mannheimer deutlich gezeigt, die Handlungsmöglichkeiten der Versicherungsaufsicht unter der noch geltenden Rechtslage sind beschränkt. Mit den jetzt getroffenen Regelungen kann die Aufsicht künftig schneller und Ziel führender handeln. Dazu trägt die Einrichtung eines Sicherungsfonds bei.

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